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Die Hälfte der Chefs sind Frauen?

18.10.2018

Jetzt online verfügbar: Eine empirische Studie von Prof. Dr. Andrea Hausmann und Antonia Liegel untersucht die Repräsentation von Frauen in der Führungsetage von Museen


Der Repräsentation von Frauen im Arbeitsmarkt Kultur kommt in der Forschung seit Jahren anhaltend großes Interesse zu. Dies ist zum einen darin begründet, dass das Wachstum dieses Arbeitsmarkts eng verknüpft ist mit einem überdurchschnittlichen Anstieg an weiblichen Beschäftigten. Zum anderen haben gesetzliche Vorgaben zur Förderung weiblicher Beschäftigter hierzu beigetragen, auch und insbesondere hinsichtlich der Teilhabe an Führungspositionen. Allerdings zeigen Studien zur beruflichen Situation von Frauen im Kulturbereich, dass Frauen zwar sehr präsent in diesem Arbeitsmarkt sind und das künstlerische Angebot in Deutschland prägen, bislang jedoch keine Geschlechtergerechtigkeit vorliegt. Vor allem verdienen Frauen weniger als Männer und sind in den meisten Sparten seltener in Führungspositionen vertreten. 

 

Ausgenommen davon scheint der Museumsbereich zu sein: So konstatierte der Deutsche Museumsbund im Sommer 2016 unter Verweis auf die Zahlen aus einer aktuellen Gesamterhebung des Instituts für Museumsforschung (IfM), dass auf der Leitungsebene von Museen ein fast ausgeglichenes Verhältnis von Frauen und Männern herrscht. Dieses Ergebnis ist erfreulich angesichts der Tatsache, dass der Museumsbereich in Deutschland ein relevanter Arbeitgeber im Kultursektor ist, der zudem – ähnlich wie in anderen Ländern – traditionell überdurchschnittlich viele Frauen beschäftigt. Allerdings überraschen die Zahlen im internationalen Vergleich. So zeigen angelsächsische Studien seit den 1990er Jahren bis heute, dass Frauen auf der Leitungsebene von Museen unterrepräsentiert sind. 

 

Ob und inwiefern sich die Situation in Deutschland tatsächlich hierzu unterscheidet, lässt sich nur beantworten, wenn die Daten des IfM eingehender analysiert werden. Ausgeend von dieser Beobachtung untersuchten Prof. Dr. Andrea Hausmann, PH Ludwigsburg, und Antonia Liegel, Viadrina Universität Frankfurt/Oder, das verfügbare Sekundärdatenmaterial und beleuchteten es im internationalen Vergleich. Die Gegenüberstellung zeigt, dass in Deutschland bislang bestimmte Variablen unberücksichtigt bleiben, so etwa die Größe oder Bedeutsamkeit eines Museums. Aber auch die angelsächsische Forschung vernachlässigt Aspekte, so etwa die Repräsentation von Frauen auf der zweiten Führungsebene von Museen. Daher versuchte die Untersuchung, diese Forschungslücken mit einer Primäranalyse zu schließen. Insgesamt sollte ein erster Beitrag für eine differenziertere Darstellung der Repräsentation weiblicher Führungskräfte in einer der größten Sparten im Kulturbereich geleistet werden, aus dem sich sowohl Handlungsimpulse für die Museumspraxis ableiten lassen als auch Anregungen für die Forschung.

 

Zu den wichtigsten Ergebnissen der inhaltsanalytischen Studie mit Organigrammen von 75 Museen gehört, dass die Besetzung von Führungspositionen auch in deutschen Museen geschlechtsabhängig ist und dass Frauen typischerweise weniger bedeutsame Museen leiten. Und wenngleich auf der zweiten Hierarchieebene mehr weibliche Führungskräfte anzutreffen sind, so führen sie in erster Linie Abteilungen mit so genannten „soft issues“ wie Personalmanagement oder Marketing und hohem Besucherkontakt wie Besucherservice oder Vermittlung.

 

Foto: dpa

 

Weiterführende Information:
Die Studie kann auf der Website hier abgerufen werden.


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