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Kulturelles Welterbe auf der Alb

18.10.2018

Zum Auftakt des Studiums: 22 angehende Kulturmanagerinnen und -manager aus Ludwigsburg zu Besuch beim Schwäbischen Albverein Ortsgruppe Lauchheim-Kapfenburg


Natur und Kultur: Seit je bewegt sich die menschliche Wahrnehmung zwischen Umwelt und eigener Gestaltungskraft. Dass dem schon in der Ur- und Frühgeschichte so war, machen Kunstwerke deutlich, die Archäologen in den Höhlen der Schwäbischen Alb entdeckten. Zu ihnen gehören auch die rund 40 000 Jahre alten Flöten, die heute als Welterbe gelten. Doch wie klingen sie? Warum haben Menschen damit begonnen, Töne zu produzieren? Solche Überlegungen beschäftigen nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Kulturerbe- und Heimatpfleger, etwa den Schwäbischen Albverein im Landkreis Heidenheim. Unter dem Titel „Heimatklänge – vor 40 000 Jahren?“ beteiligt er sich mit einem Programm am europäischen Kulturerbejahr 2018 „Sharing Heritage“ der Europäischen Kommission. Eingeladen sind neben Gruppen aus der Region auch Flötenspieler aus der Ukraine, Georgien und Rumänien, um die Hirtenmusik aus Ur- und früheren Zeiten auf der Ostalb hörbar zu machen.

 

Das Welterbe: Ist es Bildungs- und Vermittlungsauftrag oder ein Tourismusfaktor? Diese Frage motivierte 22 angehende Kulturmanagerinnen und Kulturmanager aus Ludwigsburg, sich mit den Wanderführern und Vorständen des Schwäbischen Albvereins der Sektion Lauchheim-Kapfenburg, Rüdiger Backes und Wolfgang Pösselt, auf eine Wanderung rund um die Kapfenburg bei Lauchheim zu begeben. Sie waren in der ersten Woche ihres Masterstudiums „Kulturwissenschaft und Kulturmanagement“ mit ihren Dozenten auf die Kapfenburg gekommen, um in der konzentrierten Atmosphäre eines Kompaktseminars einen Kulturbetrieb zu entwerfen. Die Exkursion machte deutlich, dass Kunst und Kultur nicht nur Produkt, sondern auch Prozess der Erinnerung und Zuschreibung ist. Kulturerbe, Tradition und Tourismus, davon waren beide Cicerones auf dem alten Hauptwanderweg (Schwäbische-Alb-Nordrand-Weg HW1) rund um Lauchheim überzeugt, bilden ein unauflösliches Dreieck.

 

Denn wer wandert, bringt seine Kultur stets mit, auch in fremde Regionen. Und wer die eigenen Landschaften pflegt, wie es die Schäfer der Ostalb seit Jahrhunderten tun, sorgt vor Ort für Kultur im ursprünglichsten Sinne des Wortes: colere, anbauen, die Erde fruchtbar machen. Für den Erhalt von Traditionen zu sorgen ist das Ziel des Schwäbischen Albvereins in Heidenheim und auf der Ostalb - und wo kann dies besser geschehen als in einem „wanderbaren Deutschland“? Auch deshalb haben Backes und Pösselt den rund 160 Kilometer langen Albschäferweg für Einheimische wie Touristen ausgearbeitet: Er führt an den schönsten Sehenswürdigkeiten der Region vorbei. Für ihre Arbeit erhielten die Macher zahlreiche Qualitätszertifikate aus dem Bereich des verbandlichen Wanderns, für ihr „Sharing Heritage“ 2018-Engagement auch eine finanzielle Förderung von der EU Kommission.

 

Trotzdem die meiste Arbeit ehrenamtlich abläuft, sagt Pösselt: „Das ist Kulturmanagement.“ Dass sich der Schwäbische Albverein dem Zuspruch sowohl regionaler Touristen als auch einheimischer Wanderfreunde sicher sein kann, machte Rüdiger Backes deutlich: Durch gezielte Jugendarbeit sei der Verband in den vergangenen Jahren von 140 auf 230 aktive Mitglieder angewachsen. Für die Studierenden aus Ludwigsburg bot die Begegnung nicht nur einen unerwarteten Einblick in kulturmanageriales Ehrenamt im ländlichen Raum, sondern auch ein ganzheitliches Erlebnis in der Natur: für Körper, Geist und Seele.

 

Foto: Sarah Schuhbauer

 

Weitere Informationen:

Sharing Heritage – Europäisches Kulturerbejahr 2018: https://sharingheritage.de

www.albschaeferweg.de


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