NachrichtNachricht

Vortrag zu Kulturgenossenschaften

05.01.2019

12. Jahrestagung des Fachverbands Kulturmanagement zum Thema "Arts & Citizenship" in Wien (9. bis 12. Januar) mit einem Vortrag von Prof. Dr. Thomas Knubben


Welchen Beitrag leisten Kunst, Künstler und Kulturschaffende, wenn es um die Reflexion, aber auch die aktive Gestaltung der Bürgergemeinschaft geht? Diesem Thema widmet sich die 12. Jahrestagung des Fachverbands Kulturmanagement "Arts & Citizenship: Towards Diversity of Cultural Expressions" vom 9. bis zum 12. Januar in Wien. Auch aus derm Institut für Kulturmanagement kommt ein Beitrag: Am Freitag, 11. Januar, spricht Prof. Dr. Thomas Knubben in der Sektion 2 "Diversität als Herausforderung für Kulturinstitutionen (Diversity as a Challenge for Cultural Institutions)" (9 bis 10.45 Uhr) über "Partizipation, Diversität und Governance - Potenziale und Grenzen von Kulturgenossenschaften in aktuellen (kultur-)politischen Transformationsprozessen".

 

Genossenschaften, so die Ausgangsthese, galten angesichts ihrer Entstehungszusammenhänge immer als „Kinder der Not“. Im Jahr 2016 wurde „die Idee und Praxis, gemeinsame Interessen in Genossenschaften zu organisieren“, in die UNESCO Repräsentativliste des Immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen. Damit fand die sozioökonomische Organisationsform ihre offizielle kulturelle Anerkennung. Schon zuvor hatte die UN das Jahr 2012 zum „International Year of Cooperatives“ erklärt. Dass die Anerkennung der Genossenschaftsbewegung zu diesem Zeitpunkt erfolgte, hing nicht zuletzt damit zusammen, dass sie nach einer längeren Phase der Stagnation einen neuen Aufschwung erfahren und ihre Geschäftsfelder zudem in Wirtschaftssektoren ausgedehnt hatte, die traditionell nicht zu ihrem angestammten Aktionsbereich gehört hatten. Dazu zählen auch die Kulturgenossenschaften. Ermöglicht wurde die Erweiterung des Handlungsraums für Kooperativen auf europäischer Ebene durch die Schaffung der Rechtsform der "Societas Cooperativa Europea" und auf nationaler deutscher Ebene durch die Novellierung des Genossenschaftsrechts 2006.

 

Auch die derzeit knapp 100 Genossenschaften in Deutschland, die im engeren oder weiteren Sinne dem kulturellen Sektor zugeordnet werden können, verdanken ihre Gründung großenteils defizitären Umständen wie der drohenden Schließung von Kultureinrichtungen oder dem Mangel an kultureller Infrastruktur und der daraus erwachsenen Notwendigkeit direkten solidarischen Handelns in Eigenverantwortung.  Zugleich stellt sich jedoch die Frage, ob die Organisationsform der Genossenschaft aufgrund ihres Selbstverständnisses und ihrer strukturellen Anlage, wirtschaftliche Orientierung mit gemeinwesenorientierten Förderzwecken zu verbinden, neue und nachhaltige Potentiale in der Gestaltung aktueller (kultur-)politischer Transformationsprozesse bietet.

 

Die Präsentation geht dieser Frage auf der Basis eines Mappings von Kulturgenossenschaften in Deutschland vor dem Hintergrund entsprechender europäischer Entwicklungen nach und diskutiert anhand von Fallanalysen Potenziale und Grenzen des Ansatzes im Hinblick auf die Forderungen nach erweiterter Partizipation breiterer Bevölkerungskreise, nach Stärkung der Diversität der Beteiligten und nach neuen demokratischen und transparenten Formen der Governance kultureller und kulturpolitischer Prozesse. 

 

Weitere Informationen zur Tagung:

https://www.mdw.ac.at/ikm/arts-and-citizenship-2019/

 

Informationen zum Ludwigsburger Forschungsprojekt:

Forschung / Kulturgenossenschaften

 

 

 

 


<< <- Zurück zu: Aktuelle Meldungen