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Kulturelle Übersetzung in Israel

04.04.2019

Das Institut für Kulturmanagement nahm an der internationalen und interdisziplinären Tagung "Migration: Education, Politics and Cultural Aspects" am Beit Berl College, Israel, teil


Das Kulturverständnis ist im Wandel. Nicht nur hierzulande, auch in anderen Weltregionen werden Gesellschaftsmodelle und, damit verbunden, Kulturbegriffe in Frage gestellt. Kultur - was ist das: Ethnie und Herkunft, Nation und Religion? Wovon geht die Kulturpolitik aus, wenn sie sich des Begriffs bedient, und wie wirkt sich ihr Kulturverständnis auf öffentliche Bildungs- und Kultureinrichtungen aus? Welche Bilder entwerfen europäische Länder angesichts von Migration von sich selbst - und welches der Staat Israel, der aufgrund seiner Entstehungsgeschichte per se multiethnisch ist?

 

Es war ein großes Thema, mit dem sich die 58 Vortragenden aus fünf Nationen und von 22 Hochschulen auf der internationalen und interdisziplinären Konferenz "Migration: Educational, Politics and Cultural Aspects" im Beit Berl College bei Tel Aviv auseinandersetzten (18./19. März). In insgesamt 15 Sektionen referierten Dozierende und Nachwuchsforschende über Ursachen, Reaktionen und Folgen von Migration für moderne Gesellschaften und ihre Institutionen. In der Sektion "A Historical and Cultural Perspective on Immigration" trug Dr. Christiane Dätsch ihren Vorschlag einer Revision gängiger politischer Kulturkonzepte wie jene der Multi- und Interkulturalität zugunsten des diskursiven Kulturbegriffs der "Kulturellen Übersetzung" vor und wandte ihn auf zwei aktuelle, im Umgang mit dem Anderen und Fremden unterschiedliche Konzepte an: das Humboldt Forum in Berlin und das Museum für Migration des Vereins DOMID in Köln; beide sollen 2020 respektive in naher Zukunft eröffnet werden.

 

Angeschlossen an die Tagung waren zwei Exkursionen nach Tel Aviv und Jerusalem, wobei der Besuch des migrantisch geprägten Viertels Shapira im Tel Aviver Süden und Begegnungen mit Akteuren kirchlicher und kommunaler Flüchtlingshilfeprojekte die Situation Israels vor Augen führten. Während Migranten aus aller Welt wegen ihrer jüdischen Wurzeln nach Israel einwandern, fliehen Muslime und Christen aus Eritrea und dem Südsudan vor Kriegssituationen über den Sinai und erbitten Asyl. Doch für diese Flüchtlinge, so die Sozialarbeiterin des Projekts "Mesila", hat Israel bislang kein eindeutiges Konzept. Dass ihnen und ihren Kindern geholfen wird, geht meist auf Spenden, christliche Träger und kommunale Initiativen wie jene der Stadt Tel Aviv zurück. So spiegelte die Tagung am Ende nicht nur wider, wie global das Thema Migration und Kulturvermittlung ist, sondern auch, wie unterschiedlich die betroffenen Nationen auf die Herausforderung weltweiter Wanderung reagieren, und wie Arbeitsmigration und Flucht von offenen oder restriktiven Selbstbildern und individuellen Wertekanones flankiert werden.

 

Foto: privat

 

Weitere Informationen zur internationalen Tagung:

https://www.beitberl.ac.il/english/international/conferences/migration/pages/default.aspx

 

 


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