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Freier Eintritt ins Museum?

02.07.2019

Der dritte Kulturdiskurs am Mittwoch, 3. Juli, 18 Uhr, mit Dr. Heike Scholz widmete sich dem Thema "Freier Eintritt im Landesmuseum Württemberg" in Stuttgart


Oft diskutiert, bis vor kurzem jedoch nur selten umgesetzt ist die Idee des freien Eintritts in Museen. Was in anderen Ländern, etwa England, gang und gäbe ist, nämlich den Eintritt als Hemmschwelle zu eliminieren und so im Optimalfall alle gesellschaftichen Schichten in die Museen zu holen, wird in Deutschland bislang nur zurückhaltend realisiert.

 

Wie eine Studie des Landes Baden-Württemberg für seine Museen jüngst zeigte, ist die Politik des freien Eintritts in Hinblick auf die Öffnung von Museen für neue Besucherschichten differenziert zu sehen: Nicht immer reicht allein die Preispolitik, um die gewünschte Partizipation aller Bevölkerungsschichten zu erreichen; auch andere Motivationen spielen eine Rolle. Das  Landesmuseum Württemberg in Stuttgart hat im Jahr 2018 dennoch als eines der ersten Museen einen Feldversuch gestartet: Es gewährt seinen Besuchern seitdem den kostenlosen Eintritt in seine Schausammlung. Möglich machte das die Fördergesellschaft des Landesmuseums. 

 

Welches Fazit das Landesmuseum Württemberg nach einem Jahr freiem Eintritt aus seinem Feldversuch zog, war am Mittwoch, 3. Juli, 18 Uhr, das Thema des dritten Kulturdiskurses im Sommersemester 2019 am Institut für Kulturmanagement. Zu Gast war Dr. Heike Scholz, die Leiterin der Abteilung Kommunikation und Kulturvermittlung die über insgesamt sehr positive Erfahrungen des Teams mit neuen Besucherschichten berichtete; auch hätten sich die Besucherzahlen der Schausammlung im vergangenen Jahr erheblich verbessert.

 

Natürlich seien auf das Museum auch neue Herausforderungen zugekommen: Einigen der neuen Besucherinnen und Besuchern seien die Verhaltensregeln eines Museumsbesuchs nicht vollständig bekannt gewesen, wie etwa das Unterlassen von Essen und Trinken in den Ausstellungsräumen. Inzwischen habe man diese Herausforderungen jedoch gemeistert, etwa durch zusätzliche Schulungen des Besucherkontaktpersonals oder Piktogramme. Das Museum selbst freut über die neu gewonnenen Besucherinnen und Besucher und würde die Politik des freien Eintritts gerne beibehalten. Derzeit wird die weitere Finanzierbarkeit der Initiative geprüft. Die möglichen Schwellenängste bildungsfernerer Schichten vor Museen könnten durch das Instrument des freien Eintritts allein nicht vollständig abgebaut werden -  dafür müssten auch andere Maßnahmen wie Vermittlungsangebote unterstützt und intensiviert werden. Nur so, so Heike Scholz, sei die Attraktivität der Bildungsinstitution Museum langfristig und nachhaltig zu sichern.

 

 

Text: Hannah Becker / Anna-Lena Reulein

Foto: Julia Hartmann


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