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Kulturelles Erbe als Aufgabe

14.06.2014

Exkursion der Master-Studierenden nach Krakau: Kulturvermittlung ist nicht nur eine Sache der Sprache, sondern auch der Perspektive


Vor 25 Jahren fanden in Polen die ersten teilweise freien Parlamentswahlen statt - seitdem hat sich das Nachbarland zu einer dynamischen Demokratie entwickelt, bietet Touristen aus ganz Europa Anreize. Das gilt in besonderem Maße für die einstige Hauptstadt Krakau, deren kulturelles Erbe nicht zu übersehen ist: Trotz zweier Weltkriege haben gotische Bauten und Denkmale aus der Renaissance überlebt. Moderne Museen beschreiben die jüngste Geschichte des Landes, nationale Einrichtungen reflektieren die Rolle der internationalen Kulturpolitik, und an der Universität wird der Umgang mit dem Kulturerbe erforscht.

 

Unter der Leitung von Prof. Thomas Knubben und Dr. Christiane Dätsch reisten 27 Studierende des zweiten Semesters für fünf Tage in die Stadt an der Weichsel. Dort trafen sie  sich mit Kulturschaffenden, Wissenschaftlern und Kulturmanagern, führten Gespräche und besichtigten Museen, Archive und Gedenkstätten. So machten die Besuche in der Villa Decius, einer unabhängigen Einrichtung für Literaturförderung, und im Krakauer Goethe-Institut die Aufgaben nationaler und internationaler Kulturvermittlung deutlich. Mit dem Lyriker Adam Zagajewski trafen die Studierenden in der Villa Decius zudem auf einen ganz besonderen Kulturvermittler: Zagajewski, einst Opponent kommunistischer Ziele, lebte lange Zeit in Paris und in den USA, bevor er im Jahr 2002 nach Krakau zurückkehrte. In seinen Gedichten beschreibt er den Verlust der Heimat - und die Rückkehr in ein verändertes Polen.

 

Anhand des Museums "Rynek Underground", das Funde der mittelalterlichen Stadt unter dem Krakauer Hauptplatz Rynek Glowny präsentiert, und des Historischen Museums der Stadt Krakau in der ehemaligen Schindler-Fabrik, das die Okkupationszeit zwischen 1939 und 1945 illustriert, konnten die Studierenden jüngst eingerichtete Museen und Inszenierungen der Geschichte kennenlernen. Einen weiteren Höhepunkt der Exkursion stellten die Zusammenkunft mit gleichaltrigen Kulturmanagement-Studierenden sowie zwei Vorträge zum Kulturerbe von Prof. Dr. Thomas Knubben und Prof. Dr. Lukasz Gawel, Leiter des Krakauer Instituts für Kulturmanagement an der Jagiellonen-Universität Krakau, dar: Zwei Herangehensweisen, zwei (Länder-) Perspektiven ergänzten sich bei der Frage: Was soll von der (jüngsten) Vergangenheit sichtbar bleiben?

 

Auch der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz bei Krakau und das sich daran anschließende Gespräch mit deren stellvertretendem Leiter, Dr. Andrzej Kacorzyk, machten deutlich: Es gibt ein Erbe, das man nicht ausschlagen kann, auch wenn es drückend aus der Vergangenheit in die Gegenwart hineinreicht. Indem es allerdings, so Kacorzyk, für die Zukunft fruchtbar gemacht werde, im Sinne einer Lehre und Aufforderung zur Achtsamkeit, sei eine Gedenk- und Forschungsstätte wie Auschwitz nicht nur ein Mahnmal, sondern auch ein wertvoller Ort für eine "Ausbildung" in Menschlichkeit und Solidarität, ebenso wie für die Sensibilisierung für Unrecht.

 

So wurde im Lauf der fünf Tage aus ganz unterschiedlichen Perspektiven deutlich:  Die Verantwortung und Freundschaft zwischen Ländern bezieht sich nicht allein auf politische Diskurse, sondern erhält ihr Fundament durch Kultur, Kommunikation und grenzüberschreitende Vermittlung. Polen ist ein Nachbar, den kennenzulernen sich in jeder Hinsicht lohnt.


Foto: Vor der Villa Decius, Krakau

 

Die Exkursion wurde vom Alumniverein des Instituts für Kulturmanagement Kulturnetz e.V. großzügig unterstützt, dem dafür herzlich gedankt sei.

 

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