Auf den Spuren der freien Szene

10.02.2017

Tagesexkursion der Erst- und Drittsemester nach Heilbronn: Die Stadt am Neckar zeichnet sich vor allem durch kulturelle Leuchttürme aus - 2019 eröffnet die Bundesgartenschau


Heilbronn? Ist das nicht die Stadt am Neckar, deren berühmteste Tochter - bis heute - Kleists Käthchen ist? Jene Stadt im nördlichen Württemberg, die sich ihrer Weinlagen rühmt und sich mit ihren rund 100 000 Einwohnern als Oberzentrum einen Namen zu machen versucht?

 

Ja - aber Heilbronn ist auch die Stadt, deren Bürger nach dem Zweiten Weltkrieg um den Neubau ihres Theaters kämpften, die im Jahr 2019 die Bundesgartenschau ausrichten wird und deren Städtische Museen im Deutschhof an die Tradition des Museums als "Bildungseinrichtung für alle" anknüpfen, indem sie freien Eintritt in die Dauerausstellung gewähren. Und nicht zuletzt ist Heilbronn die Stadt einer verspäteten freien Szene, jedoch mit einem hochwertig ausgestatteten (Stadt-) Magazin: "Hanix". Davon überzeugten sich bei ihrer Tagesexkursion die Erst- und Drittsemester des Studiengangs "Kulturwissenschaft und Kulturmanagement" (Leitung: Dr. Petra Schneidewind). 

 

Der Bau des 1982 eröffneten Stadttheaters Heilbronn wirkt auf den ersten Blick nüchtern. Doch die Geschichte, die dahinter steckt, ist eine des bürgerlichen Engagements: "Die Heilbronner wollten unbedingt ein eigenes Theater haben und besuchen es bis heute gerne", beschrieb Silke Zschäckel, Leiterin der Pressearbeit, das Verhältnis des Publikums zu "seinem" Theater. Dementsprechend versucht das Haus mit seinem Spielzeitprogramm einerseits aktuelle inhaltliche Akzente zu setzen, etwa durch die Anknüpfung an Diskurse wie Migration oder Kunst und Wissenschaft, erläuterte Chefdramaturg Andreas Frane. Andererseits bietet es Raum für die Interaktion mit jungem Publikum: In der "Boxx", der Spielstätte des Jungen Theaters Heilbronn, werden Inszenierungen für Heranwachsende angeboten, und die Jugendclubs suchen den Kontakt zu Jugendlichen mit Migrationshintergrund, wie Johannes Pfeffer, Absolvent des Instituts und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Werbung, deutlich machte.

 

Ein zweiter "Leuchtturm" ist das Ensemble des Deutschhofs im Herzen der Stadt: 1944 bis auf die Grundmauern zerstört, wurde die auf die Heilbronner Kommende des Deutschen Ordens zurückgehende historische Gebäudestruktur wieder hergestellt und zum Ort der Städtischen Museen Heilbronn mit ihren Sammlungen aus der Archäologie, der Kunst- und Kulturgeschichte. Dr. Marc Gundel, Direktor des Museums, zeichnet seit 2010 auch für die Kunsthalle Vogelmann verantwortlich, deren Entstehung unter anderem der großzügigen Förderung durch die Ernst Vogelmann Stiftung zu verdanken ist. Überhaupt spielt das Stiftungswesen in den Städtischen Museen eine große Rolle: So ist nicht nur die Ernst Vogelmann Stiftung aktiv, sondern auch die Christoph Reinwald Stiftung, deren monetärer Einsatz ein kostenloses museumspädagogisches Angebot für Kindergärten und Schulen ermöglicht.

 

Dass Natur und Kultur keine Gegensätze sein müssen, will die für ihre derzeitige Tätigkeit freigestellte Kulturamtsleiterin Michaela Ruof unter Beweis stellen: Gemeinsam mit ihrer Kollegin Eva Schmierer plant sie die kulturellen Veranstaltungen, die während der Bundesgartenschau auf mehreren Bühnen stattfinden sollen. Dass Heilbronn mit der "BuGa 2019" zugleich die Chance nutzt, ein brach liegendes Gebiet hinter dem Hauptbahnhof in ein attraktives Wohn- und Naherholungsgebiet umzuwandeln und die Gelder damit nachhaltig zu nutzen, wurde bei der Führung über die Baustelle deutlich.

 

Möglicherweise ist soviel Aufbruchsgeist auch eine Chance für die freie Szene? Es gibt sie - doch sie ist klein und hat nicht viele Lokalitäten zur Verfügung, wissen die Macher des seit fünf Jahren erscheinenden Magazins "Hanix", Marcel Kantimm und Robert Mucha. Ohne jede öffentliche Finanzierung und mit Hilfe dreier Standbeine - Magazin, PR-Agentur und Veranstaltungen - hat sich das Duo als feste Größe etabliert. Mehr und mehr wird es auch am runden Tisch der Kulturförderung der Stadt gehört, wo es sich für die Belange der freien Szene stark macht. Zwar weiß Mucha: "Das dauert!", doch hat er eine Vision: "Wir machen das für nachfolgende Generationen. Sie profitieren hoffentlich von unserer Arbeit." 

 

Foto: Christiane Dätsch

 

 

 

 


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