Zur Zukunft der Kultur-PR in Stuttgart

14.03.2017

Abschlusspräsentation des Studierendenprojekts "Welche Öffentlichkeitsarbeit braucht die Stuttgarter Kultur?" im Ausschuss für Kultur und Medien der Stadt Stuttgart


Es hat zwei Semester gedauert, doch am Ende stand sie, die vorläufige Antwort auf die Frage: "Welche Öffentlichkeitsarbeit braucht die Stuttgarter Kultur?" Mit ihr waren im vergangenen Sommersemester 16 Master-Studierende in ihr zweites Semester gestartet, um in einem Projekt gemeinsam mit dem Kulturamt (Werner Stiefele) und dem Statistischen Amt (Jochen Gieck) der Stadt Stuttgart drei Umfragen unter den Kulturinstitutionen und ihrem Kulturpublikum durchzuführen. Am Dienstag, 14. März, stellten sie erste Ergebnisse dem Ausschuss Kultur und Medien im Stuttgarter Rathaus vor.

 

Dabei zeigte sich: Es gibt eine gewisse Diskrepanz in der Selbstwahrnehmung der 81 Kultureinrichtungen, die bei der Online-Institutionenbefragung mitgemacht hatten, und ihrem Publikum in Sachen PR. Während die Mehrheit der Kulturschaffenden äußerte, eher unzufrieden mit der eigenen PR und ihren Möglichkeiten zu sein, schienen die (Stamm-) Besucher, die vor Ort mehr als 6500 Bögen ausfüllten und im Rahmen der Online-Befragung rund 800 Antworten gaben, mit den Informationsmöglichkeiten weitgehend zufrieden.

 

Für diesen ersten Befund boten sich zwei Erklärungen an: Erstens betonten vor allem kleinere Kultureinrichtungen ihren chronische Ressourcenmangel bei der Organisation von PR, der sie nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen ließ, die sie selbst für die PR sahen. Zweitens stand die Rolle der Massenmedien mit im Fokus: Viele Kultureinrichtungen haben den Eindruck, dass die massenmediale Wahrnehmung des Stuttgarter Kulturangebots durch Tageszeitungen, Rundfunk und Stadtmagazine, sich auf die kulturellen "Leuchttürme" beschränke. Die Kulturbesucher hingegen gaben an, (analoge) Massenmedien wie die Zeitung neben der Abo-Broschüre oder der Mundpropaganda als wichtigstes Informationsinstrument zu nutzen. Die Analyse der Lebensstile der Kulturbesucher (nach Heyse / Stelzer) aus rund 700 online ermittelten Datensätzen ergab, dass in der Mehrheit "reflektierte Avantgardisten" die Stuttgarter (Hoch-) Kultur besuchten, wie Daniela Freundorfer stellvertretend für die Projektgruppe referierte. Sie seien modern, liberal und überdurchschnittlich gebildet. 

 

Das Studierendenprojekt konnte angesicht des abgesteckten Rahmens nicht alle Fragen beantworten. So gab Moritz Steinhauer dem Ausschuss zu verstehen, dass nach der jetzigen ersten allgemeinen Auswertung der Daten noch eine Analyse der Publikumsantworten in den einzelnen Einrichtungen zu erfolgen habe. Auf die Frage des Ausschusses, ob auch die Nicht-Besucher berücksichtigt werden sollten, erwiderte Kulturbürgermeister Dr. Fabian Mayer, dass ihre Befragung in der nächsten Bürgerumfrage der Stadt geplant sei. Um die groß angelegte Erhebung zur Kultur in Stuttgart noch weiter mit Daten abzurunden, sei außerdem, so Werner Stiefele, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit im Kulturamt, ein Städtevergleich und eine Abfrage der Nutzung digitaler Medien in der PR geplant. Alle Ergebnisse sollen im Jahr 2018 dem Gemeinderat mit Handlungsempfehlungen vorgestellt werden. 

 

Für die Ludwigsburger Studierenden waren die Begegnung mit dem Ausschuss und seine Nachfragen ein intensives Erlebnis - und auch ein Realitätsabgleich. Nun heißt es noch, den Abschlussbericht des Projekts und der empirischen Erhebung fertigzustellen. Ein großer Dank gilt den Kooperationspartnern des Projekts, Werner Stiefele und Jochen Gieck. Sie haben das Projekt möglich gemacht.

 

Foto: Johannes Gerlitz

 

 


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