Kunst, die politisch wird

30.06.2017

Exkursion nach Kassel und Münster: Die Wochenexkursion führte die Zweitssemester in diesem Jahr auf die "documenta 14" und zu den "Skulptur.Projekten 2017"


Die Kunst der Gegenwart begnügt sich nicht damit, nur schön zu sein; vielmehr will sie sich einmischen in aktuelle Diskurse der Gesellschaft und der Politik. Alle fünf Jahre wird diese Kunst in einer Stadt in der Mitte Deutschlands ausgestellt, die sonst eher im Kontext von Kriegszerstörung, deutsch-deutscher Grenzlage und einst prächtiger Residenzstadt bekannt geworden ist: Kassel. Die "documenta 14" war in diesem Sommersemester das Ziel der Wochenexkursion der Studierenden des zweiten Semesters im  Master-Studiengang "Kulturwissenschaft und Kulturmanagement" (Leitung: Dr. Christiane Dätsch / Prof. Dr. Thomas Knubben). Sie hatte ihren Schwerpunkt nicht nur auf die Kunst der Gegenwart im Kassel gelegt, sondern auch auf eine nur alle zehn Jahre realisierte Skulpturenschau in Münster, die "Skulptur Projekte 2017".

 

Welterbe und Gegenwartskunst - wie geht das zusammen? In Kassel ist das kein Problem: Während sich der Bergpark Schloss Wilhelmshöhe seit einigen Jahren der Auszeichnung erfreut, UNESCO-Weltkulturerbe zu sein und seitdem vermehrte Besucherströme auf einem recht komplexen, da ansteigenden Terrain zu managen hat, wie der Direktor der Museumslandschaft Hessen-Kassel, Prof. Dr. Bernd Küster, ausführte, liegt die Herausforderung der "documenta 14" darin, sowohl die Werke der eingeladenen Künstler in der Stadt sichtbar zu machen als auch die aus der ganzen Welt anreisenden Künstler, Kunstkenner und Touristen zu beherbergen. So manches Kunstwerk sorgt dabei durchaus für Irritation, wie Dr. Christian von Busse, Redakteur im Feuilleton der Kasseler Regionalzeitung HNA zu berichten wusste - etwa jene Rauchzeichen, die vom Turm des Fridericianums in Richtung Athen gesandt werden, um die Verbindung der beiden "Documenta"-Orte symbolisch zum Ausdruck zu bringen: "So mancher Anrufer meldete den Brand der Fridericianums bei der Feuerwehr." Die Zeitung selbst übernimmt für die Dauer der Weltausstellung eine Bildungsfunktion: Sie erläutert und erklärt die Kunst.

 

Dass die "documenta 14" unter ihrem künstlerischen Leiter Adam Szymczyk durchaus politisch sein möchte und dafür verfolgte oder postkolonial denkende Künstler aus der ganzen Welt eingeladen hatte, wurde beim Rundgang, aber auch im Gespräch mit Henriette Gallus, der Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, deutlich: Ihr zufolge geht es bei einer gelungenen Medienarbeit nicht nur darum, nur die Wünsche der Medien zu erfüllen, sondern auch zum richtigen Zeitpunkt über den richtigen Sachverhalt zu informieren und dabei, wenn nötig, die Künstler zu schützen: "Manche werden für ihre Kunst in ihrer Heimat angegriffen und auch verfolgt. Es kann für sie Konsequenzen haben, was in der Presse steht."

 

Weitaus weniger politisch, doch mindestens so präsent im öffentlichen Raum zeigte sich die Ausstellung "Skulptur.Projekte" in Münster: In der deutschen Fahrradstadt ging es per Pedal zu den im öffentlichen Raum präsentierten Kunstwerken. Unter der Ägide von Kasper König ist auch diese Schau international: Viele der eingeladenen Künstler sind mittlerweile berühmt, unter ihnen auch die deutschen Namen Thomas Schütte oder Gintersdorfer / Klaßen. Schaltzentrum und Teil der Skulpturenausstellung ist das neu erbaute und gestaltete LWL-Museum für Kunst  und Kultur, dessen Leiter Dr. Hermann Arnhold die Genese und Wandlung des Museums vorstellte. Nach fünf Tagen voller Eindrücke führte der Weg schließlich wieder zurück nach Ludwigsburg. Dem Alumni-Verein des Instituts, Kulturnetz e.V., sei auch in diesem Jahr herzlich für die großzügige Unterstützung der Exkursion gedankt.

 

Foto: privat


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