Rottweil 5.0 oder: Höhe als Vision

07.02.2018

Die Tagesexkursion führte in die älteste Stadt Baden-Württembergs - Rottweil zeichnet sich durch bürgerschaftliches Engagement sowie ungewöhnliche Orte für Kunst und Kultur aus


Sie ist die älteste Stadt Baden-Württembergs und weiß um ihre Geschichte. Die Kreisstadt Rottweil, 90 Kilometer südlich von Stuttgart gelegen, wurde im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört. Bis heute bezaubert sie durch ihren intakten Altstadtkern, verwinkelte Gassen, Erker und verzierte Torbögen. Historisches Erbe ist in Rottweil zuhauf vorhanden, weshalb auch die Bürger durchaus einen Sinn für erhaltenswerte Substanz haben - selbst wenn diese früher einmal "nur" der Industrie diente.

 

Doch auch die bildende Kunst (Erich Hauser), die Musik (ein international vernetztes Event-Management) und die Soziokultur in erhaltenswerten Mauern (das Mehrgenerationenhaus Kapuzinerkloster) kommen in Rottweil nicht zu kurz, ebenso wenig zukunftsweisende Technik (der Testturm von Thyssenkrupp). Davon konnten sich die 32 Studierenden des ersten und dritten Semesters selbst überzeugen, die sich auf ihrer Tagesexkursion zu  Besichtigungen und Gesprächen in die Stadt der traditionellen Fasnet und historischer Narrenzünfte begaben (Leitung: Prof. Dr. Thomas Knubben).

 

Was nun zeichnet die vielfältigen Kunst- und Kulturinitiativen in Rottweil aus, von denen viele in Form eines Vereins oder einer Stiftung organisiert sind? Es ist, wie nicht nur im Gespräch mit Oberbürgermeister Ralf Broß, sondern auch mit dem Bildhauer Jürgen Knubben deutlich wird, der uralte Sinn der Rottweiler für eigenes Engagement. Knubben, zugleich stellvertretender Vorsitzender der Erich Hauser Stiftung, öffnete den Studierenden nicht nur den Skulpturenpark des 1930 in Rietheim geborenen und 2004 in Rottweil gestorbenen documenta-Teilnehmers Erich Hauser, sondern erläuterte in dessen ehemaligem Wohnhaus auch Hausers Kunstauffassung: die Übersetzung kunsttheoretischer Überlegungen der informellen Malerei in den dreidimensionalen Raum. Heute wird Hausers Erbe durch eine Geschäftsführerin und einen ehrenamtlichen Vorstand verwaltet.

 

Auch das ehemalige Kapuzinerkloster zeichnet sich durch bürgerschaftliches Engagement aus. Im Jahr 2004 wurde die Bürgerinitiative "Kapuziner Rottweil zur Rettung des Kulturdenkmals Kapuziner/Sonne" gegründet, um die Substanz des alten Klosters vor dem Abriss zu bewahren - gegen den Willen der Stadt, wie der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Rottweil, Henry Rauner, und der Geschäftsführer der Holzmanufaktur Rottweil GmbH Hermann Glos ausführten, die sich beide ehrenamtlich für den Erhalt engagierten. Die Klostermauern wurden gerettet, saniert und in das Gebäude ein Mehrgenerationenhaus umfunktioniert; beim Betreiben wird die Bürgerinitiative von der Bruderhaus Diakonie unterstützt.

 

Hartnäckigkeit zahlt sich offenbar auch im Gewerbepark Neckartal aus. Dort, wo einst die Pulverfabrik von Max Duttenhofer für Munition sorgte und von Rottweil aus in die ganze Welt expandierte, haben sich heute der Schreiner- und Restaurierungsbetrieb "Holzmanufaktur" und die international agierende Event-Agentur "Trend Factory" niedergelassen - ebenso wie eine Geigenschule, ein Klavierbauer und weitere Mittelständler. Die Industriebrache aus dem 19. Jahrhundert wurde so zu neuem Leben erweckt, in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Testturm für Aufzugsinnovationen der Firma Thyssenkrupp, dem jüngsten Vorzeigeprojekt der Stadt. Die mit 232 Metern bundesweit höchste Besucherplattform überragt den Stuttgarter Fernsehturm um 80 Meter und bietet einen Rundum-Ausblick auf Stadt und Landschaft. 

 

Das Fazit? Die älteste Stadt Baden-Württembergs blickt gerne auf ihre Geschichte, aber auch nach vorn - und engagiert sich auf beiden Zeitachsen. Mit Kunst und Kultur entdeckt die Stadt zunehmend neue Faktoren für Wirtschaft und Tourismus.

 

Foto: Christiane Dätsch

 

 

 


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