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Narrative der Migration im Museum

17.03.2018

Mit der Erasmus+-Dozentenmobilität zu Gast in Israel: Dr. Christiane Dätsch beleuchtete das Thema Migration im Museum im Studiengang "Art education" des Beit Berl Colleges


Deutschland ist - seit mehr als 13 Jahren nun auch offiziell - ein Zuwanderungsland. Lange hat es gedauert, bis eine gesellschaftliche Realität von der politischen Selbstwahrnehmung des Landes bestätigt wurde - und noch ist dieser Prozess im Gange. Welches Selbstbild eine Nation von sich hat, wirkt sich auch auf das Verständnis dessen aus, was als kulturelles Erbe gesammelt wird. Es  bestimmt mit darüber, was als überlieferungswürdiger Rest einer kommunen Vergangenheit angesehen wird: Wer bleibt im kollektiven Gedächtnis, wer wird vergessen?

 

Lange galt das politische Metanarrativ; "Deutschand ist kein Einwanderungsland!" auch den kulturhistorischen und historischen Museen in Deutschland als Taktgeber. Folglich wurden auch die Zeugnisse gesellschaftlicher Migration nicht explizit gesammelt. Doch seit sich die politische Meinung in den 2000er-Jahren wandelte, kamen auch auf die Museen neue Aufgaben zu - etwa jene, Migration auszustellen und diskursiv zu verhandeln. Nur: Wie sollte dies vonstatten gehen - ohne eine entsprechende Sammlung, ohne das Bewusstsein für Migration in der Vergangenheit?

 

Die Lösung: ein (kulturwissenschaftlicher) Perspektivwechsel. Die Neubefragung von Sammlungen, das Mischen von Beständen verschiedener Museumstypen in Ausstellungen und neue Herangehensweisen werden seit einigen Jahren von einigen Museen praktiziert. Diesen Ansatz stellte Dr. Christiane Dätsch im Rahmen ihrer Erasmus+-Dozentenmobilität im Seminar "Curatorship" (Leiter: Dr. Gilad Meltzer) am Beit Berl College, Kfar Saba, vor und konnte dabei nicht nur Interesse an der deutschen Situation im Umgang mit Immigration im kulturhistorischen Museum wecken, sondern die rund 50 Studierenden auch zu Vergleichen mit Museen in ihrem Heimatland animieren.

 

Dabei zeigte sich, dass der Umgang mit Ansätzen kritischer Museologie auch die israelischen Lehrenden und Lernenden beschäftigt, wodurch eine gemeinsame Diskussionsplattform gegeben war. Möglich wurde der Austausch auch dank der strategischen Partnerschaft, die das Beit Berl College und die PH Ludwigsburg bereits seit 25 Jahren verbindet. Eine Fortsetzung des Austauschs auf Studierenden- und Lehrendenebene ist angedacht.  

 

(Foto: Chava Brownfield-Stein)


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