NachrichtNachricht

Von Humboldt zu Jonny Knüppel

22.05.2018

In diesem Jahr führte die Wochenexkursion nach Berlin - und bot viele Perspektiven auf den kulturellen Gestaltungswillen der Hauptstadt und das Konzept der "offenen Stadtgesellschaft"


"Jonny Knüppel"? Davon hat der Berliner Taxifahrer noch nie gehört. Dem Anfang der Bekanntschaft wohnt allerdings das Ende inne: Denn der offiziell nie bewilligte Techno-Club am Schleusenufer 4a im Berliner Stadtteil Kreuzberg-Friedrichshain musste zum 1. Mai schließen; der Investor des brachliegenden Industriegebiets hat andere Ziele. Dennoch, ein Blick in die Hallen ist noch möglich. Gewährt wird er von Jakob Turtur, einem der Gründer des Kollektivs "Jonny Knüppel", das hier mit viel Zuspruch Musik machte. Fast wäre die Rechnung der Kulturunternehmer mit kosmischer Philosophie aufgegangen: "Jonny Knüppel". sagt Turtur, hätte sich getragen.

 

Gespräche wie diese sind es, die Berlins Ruf als Laborstadt für Kunst-, Kultur- und Eventsparten erfahrbar machen. Berlin zeigt Gestaltungswillen, trotz oder gerade wegen seiner Brüche, die noch immer mitten durch die Stadt gehen. Gestützt wird diese Wahrnehmung durch ein zunehmend offensiv kommuniziertes globales Geschichtsverständnis, das Bekenntnis zur "offenen Stadtgesellschaft" und ein, zumindest in manchen Kiezen, sichtbares transkulturelles Selbstverständnis. Welche Auswirkungen hat dies auf die Programme von Kunst- und Kultureinrichtungen, ebenso wie auf deren Finanzierung, Vermittlung und den Kontakt mit dem Publikum? Das wollten die 23 Master-Studierenden im 2. Semester auf ihrer Berliner Wochenexkursion (14. bis 18. Mai) wissen - und trafen dafür mehr als 20 Experten.

 

Ob im Paul Löbe-Haus oder im Reichstag, im Gespräch mit kulturpolitischen Lobbyisten wie jener des Börsenvereins des deutschen Buchhandels oder mit Experten der großen, vom Bund getragenen Einrichtungen Deutsches Historisches Museum, Jüdisches Museum und Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Überall wurde die gesellschaftliche Transformation als ein wichtiges Zukunftsthema für deutsche Kultureinrichtungen greifbar. Mut und Gestaltungswillen zeigen auch die Konzepte genuin Berliner Institutionen wie der Berlinischen Galerie, der Komischen Oper, dem Haus für Poesie oder dem Gorki Theater - auch unter kulturmanagerialen Aspekten wie jenen der Finanzierung, Programmatik und Vermittlung. Den Blick auf die föderal strukturierte Kulturlandschaft rundeten Institutionen mit Länderbezug wie die Kulturstiftung der Länder und deren Förderprinzipien für Museen in der ganzen Republik ab.

 

Doch Berlin wäre nicht Berlin ohne seine so genannte "linke Kultur", die hie und da schon in die Jahre gekommen ist, wie ein Stadtrundgang durch Kreuzberg zeigte. Auch beim Besuch im Feuilleton der taz und im weltweit ersten Museum für Street Art (Urban Nation) wurde spürbar: Innovation und Bewahrung, Avantgarde und Kanon, Kunst und Institution kommen am Ende doch nicht ohne einander aus; und auch nicht ohne spezifische Regeln der Tradierung. Für die großzügige Unterstützung der Exkursion sei dem Alumniverein des Instituts für Kulturmanagement, dem Kulturnetz e.V., herzlich gedankt - von Seiten der Studierenden und ihrer Dozenten.

 

Foto: privat

 

 

 


<< <- Zurück zu: Aktuelle Meldungen