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Theater - aber wirklich für alle!

27.05.2018

Zu Gast beim ersten Kulturdiskurs im Sommersemester 2018: Julia Rohn und Philipp Falser erzählen von ihrem "Kunstdruck CentralTheater" und seinem inklusiven Ansatz


Sie sind jung und brennen für die Kunst: Seit Ende des Jahres 2017 betreiben Julia Rohn und Philipp Falser gemeinsam das "Kunstdruck CentralTheater" in Esslingen. Es steht ganz im Zeichen der Inklusion - denn es will ein Theater für alle sein. Beim ersten Kulturdiskurs im Sommersemester 2018 am Mittwoch, 25. April, waren die beiden jungen Kulturschaffenden in Ludwigsburg zu Gast, um über ihr Projekt zu berichten und sich Fragen der Studierenden und Dozenten zu stellen.

 

Rohn und Falser kennen sich schon länger: Seit 2012 wirkten sie gemeinsam an Theaterprojekten mit, bevor in ihnen der Gedanke und der Wunsch nach einem inklusiven Theater reifte. Angesprochen werden soll ein Publikum, das mit Blindheit, Taubheit oder psychischen Erkrankungen lebt, aber auch ein solches, das die deutsche Sprache nicht beherrscht. Es geht also um Menschen, “die man nicht sofort sieht”, so Rohn. Um ihnen das Theatererlebnis so schwellenlos wie möglich zu gestalten, entwickelten sie ein eigenes Symbolsystem, das barrierefreie Programmpunkte im Programmheft kennzeichnet. Die Philosophie des Theaters lautet dabei, wie Rohn erklärt: „Man ist nicht behindert; man wird behindert.”

 

Die bisher größte Herausforderung stellt die Finanzierung dar. Unterstützung erhält das Kunstdruck CentralTheater von der Esslinger Kulturverwaltung in Form von Projektfördermitteln. Bisher ist das Haus fast ausschließlich von öffentlicher Förderung abhängig. Aber auch sie zu bekommen, gestaltet sich manchmal schwierig, denn das Theater ist mit seinem Selbstverständnis als inklusive Independentbühne an der Schnittstelle zwischen Kultur und sozialer Einrichtung angesiedelt. Das führt laut Falser oft dazu, dass das Theater nicht immer die Förderkriterien von Stiftungen und anderen Geldgebern erfüllt.

 

Daher ist das "Kunstdruck CentralTheater" auch in Sachen Fundraising aktiv: So kann man beispielsweise eine Patenschaft für Theaterscheinwerfer übernehmen und sich so einen eigenen Stern am Theaterhimmel schaffen. Auch führt das Theater Crowdfunding Kampagnen durch und vermietet seine Räume an Externe. Trotzdem gebe es finanziell noch „Luft nach oben“, so Rohn und Falser: Bis sie von ihrer Arbeit im Theater leben könnten, werde es wohl noch eine Weile dauern.

 

Trotz der Schwierigkeiten geben Rohn und Falser nicht auf. „Wir sind in Sachen Inklusion ein klarer Vorreiter in der Region”, sagt Philipp Falser. Daher wollen sie auch in Zukunft dafür arbeiten, Barrieren abzubauen und wirklich allen den Theaterbesuch zu ermöglichen. Die nächsten Schritte in diese Richtung stehen schon fest: eine Erweiterung der Internetseite um leichte Sprache, taktile Leitsysteme und eine mobile Rollstuhlrampe.

 

Text: Olivia Braun, Nina Fischbach, Katharina Knop, Lara Treffeisen

Foto: Katharina Knop


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