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Tunesien und seine Besucher

06.07.2018

Workshop zum Thema Kulturtourismus und Digitalisierung in Tunesien: Prof. Dr. Andrea Hausmann referierte auf Einladung der Gesellschaft für Internarionale Zusammenarbeit


Lange schon gilt der Kulturtourismus vielen touristischen Leistungsträgern als ein attraktives Marktsegment. Auch in Ländern, die traditionell eher anders ausgerichtete Schwerpunkte, etwa den Strand- oder Naturtourismus, verfolgten, wächst das Interesse an der Ansprache und Bindung kulturtouristischer Zielgruppen. Grundsätzlich kann die Bearbeitung gleich mehrerer touristischer Marktsegmente helfen, die Abhängigkeit von einzelnen Zielgruppen zu reduzieren, Wachstumsschwankungen aufzufangen, den Arbeitsmarkt in Destinationen zu beleben und die touristischen Strukturen eines Landes zu professionalisieren. 

 

Ausgehend von dieser Beobachtung hat Prof. Dr. Andrea Hausmann im Auftrag der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und gemeinsam mit einer international besetzten Expertenkommission Ende Juni Tunesien bereist. Ziel der Exkursion war es, am Beispiel ausgewählter UNESCO-Welterbestätten das kulturtouristische Potenzial des Landes zu erkunden und im Rahmen von Workshops bestimmte Aspekte des Destinationenmarketings mit den touristischen Leistungsträgern vor Ort zu vertiefen. 

 

Neben allgemeinen Vermarktungsthemen wie dem Branding standen insbesondere die Potenziale digitaler Strategien für die Erschließung von kulturellem Erbe im Fokus. Prof. Dr. Andrea Hausmann stellte in diesem Zusammenhang die Ergebnisse aus zwei aktuellen Studien des Instituts für Kulturmanagement vor, die sowohl aus der Anbieter- als auch der Nachfragersicht die Anwendungsmöglichkeiten und Rezeption neuer Medien beleuchten. Des Weiteren führte sie zum "state of the art" aus und stellte die primären Funktionsweisen digitaler Angebote heraus. Perspektivisch skizzierte sie eine mögliche "Roadmap" sowie geeignete Instrumente für die erfolgreiche Implementierung einer digitalen Strategie im tunesischen Kulturtourismus. 

 

Im Laufe der Gespräche mit touristischen und kulturellen Leistungsträgern vor Ort kristallisierte sich allerdings auch heraus, dass digitale Strategien grundsätzlich erst dann sinnvoll sind, wenn die Rahmenbedingungen vor Ort so ausgerichtet sind, dass die primären Bedürfnisse und Erwartungen von Kulturtouristen bedient werden können; dazu gehören Transport, Verpflegung, Unterkünfte und Packaging. Destinationen mit starkem Schwerpunkt auf anderen Tourismussegmenten ist zudem zu empfehlen, erst eine intensive Analyse der neuen Zielgruppe vorzunehmen und die wichtigsten Leistungsträger zu schulen, bevor an eine aktive kulturtouristische Akquise zu denken ist.

 

Foto: Das römische Theater in Dougga (Copyright: A. Hausmann)


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