Patrick Glogner, LudwigsburgPatrick Glogner, Ludwigsburg

Patrick Glogner, Ludwigsburg

Kulturelle Einstellungen leitender Mitarbeiter kommunaler Kulturverwaltungen - Empirisch-kultursoziologische Untersuchungen (2005)

In Deutschland fällt die Zuständigkeit für Kultur - trotz der grundsätzlichen Kulturhoheit der Länder - weitgehend in den Aufgabenbereich der Kommunen. Da der kommunale Kulturbereich (bislang) juristisch wenig reglementiert ist, bieten sich hier für die Kommunen noch große Entscheidungsspielräume und -freiheiten. In der Konsequenz haben die leitenden Mitarbeiter kommunaler Kulturverwaltungen - d. h. Kulturamtsleiter und Fachbereichsleiter Kultur - einen erheblichen Einfluss auf die kulturellen Positionen und Ziele der Kommunen. Obgleich der besagte Personenkreis das Kulturangebot Deutschlands damit nachhaltig prägt und gestaltet, gibt es bislang jedoch kaum empirische Forschungsaktivitäten zur Frage nach den jeweils zugrunde liegenden kulturellen Einstellungen.

 

Die von Prof. Dr. Armin Klein und Prof'in Dr. Renate Müller betreute Dissertation nimmt sich dieses Forschungsdefizits an. Ziel der Studie ist die Beantwortung der Frage, welche kulturellen, kulturpolitischen und kulturmanagerialen Einstellungen leitende Mitarbeiter kommunaler Kulturverwaltungen aufweisen, und inwiefern diese Einstellungen in Beziehung zur Jahrgangszugehörigkeit, zum Studien-/Ausbildungsschwerpunkt sowie zur regionalen Herkunft stehen. Von Interesse ist des Weiteren, welche Einstellungen bei leitenden Mitarbeitern kommunaler Kulturverwaltungen zur eigenen Rolle im Rahmen der kulturpolitischen Willensbildung auf kommunaler Ebene bestehen und ob private kulturelle Einstellungen, kulturpolitische sowie kulturmanageriale Einstellungen miteinander zusammenhängen.

 

Zur Untersuchung dieser Fragen wurden zwischen Juli und November 2002 mit 23 leitenden Mitarbeitern kommunaler Kulturverwaltungen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen qualitative Leitfadeninterviews durchgeführt. Im Sommer 2003 wurde darüber hinaus eine Fragebogenerhebung unter 631 leitenden Mitarbeitern kommunaler Kulturverwaltungen in ganz Deutschland durchgeführt, an der sich 373 Personen beteiligten.

 

Kultursoziologisch und kulturpolitisch bemerkenswert ist, dass deutliche Unterschiede in den kulturellen Einstellungen bestehen. Hierzu gehören u. a. Differenzen im Selbstverständnis als kulturpolitische Akteure, in den Kriterien der Kulturförderung und in der Relevanz von Konzepten wie der Neuen Kulturpolitik oder der Kulturpflege. Die jeweilige Haltung korrespondiert sowohl mit der Jahrgangszugehörigkeit und der regionalen Herkunft als auch mit der Ausbildungs- und Studiensozialisation. So zeigt sich beispielsweise, dass Kulturmanager in kulturadministrativen Leitungsfunktionen keineswegs nur auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit hin orientiert sind, sondern dass bei ihnen sowohl die politisch-gesellschaftlichen als auch die kulturell-künstlerischen Aspekte ihres Handelns von besonderer Bedeutung sind.

 

 

Kurzbiografie

Zur Kurzbiografie von Patrick-Glogner-Pilz siehe Ehemalige Mitarbeiter des Instituts