Antje Mohrmann, StuttgartAntje Mohrmann, Stuttgart

Antje Mohrmann, Stuttgart

Bußgeldmarketing - Möglichkeiten und Grenzen der Finanzakquise für gemeinnützige Einrichtungen unter besonderer Berücksichtigung kultureller Institutionen (Arbeitstitel)

Gegenstand der Untersuchung ist das Bußgeldmarketing als Form der Finanzakquisition. Unter Bußgeldmarketing wird das Einwerben von Geldauflagen aus strafrechtlichen Vorgängen verstanden, die laut gesetzlichen Bestimmungen (vgl. z. B. § 153a Strafprozessordnung [StPO]) an gemeinnützige Einrichtungen vergeben werden können. Der durch Gericht oder Staatsanwaltschaft Verpflichtete ist durch die rechtliche Entscheidung daran gebunden, einen festgesetzten Betrag an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen. Erfolgt die Zahlung nicht, werden weitergehende strafrechtliche Konsequenzen in Gang gesetzt. Diese Vorgehensweise im deutschen Strafrecht ist einzigartig in ganz Europa und bietet die Möglichkeit für gemeinnützig organisierte Kulturbetriebe, dies als Finanzquelle zu nutzen.

 

Die Möglichkeit, dass Geldauflagen an gemeinnützige Einrichtungen vergeben werden können, ist in mehreren Gesetzen geregelt. Demgegenüber ist jedoch gesetzlich nicht geregelt, wie die Auswahl dieser Institutionen durch die Gerichte oder Staatsanwaltschaften zu erfolgen hat. Unterschiede ergeben sich bei den jeweiligen Verfahren daraus, dass die Ausübung und Ausgestaltung der Justiz Kompetenz der einzelnen Bundesländer ist. Um in den Kreis der Zuweisungsempfänger zu gelangen, können verschiedene Vorgehensweisen in Betracht gezogen werden. Angefangen von der Möglichkeit, sich in Listen bei Gericht eintragen zu lassen, über direkte Mailings und persönliche Anrufe bei Zuweisungsberechtigten, bis hin zur Übergabe des Einwerbens und Verwaltens an eine externe Agentur, kann versucht werden, bei einem Verfahren monetär berücksichtigt zu werden.

 

In Deutschland werden bis zu 100 Millionen Euro jährlich an Geldauflagen zugewiesen. Große karitative Einrichtungen wie die Kindernothilfe e.V. erhielten z.B. im Jahr 2007 Zuweisungen in Höhe von insgesamt rund 680.000 Euro. Ein Vorteil hierbei ist, dass neben den gemeinnützigen Einrichtungen nur noch die jeweilige Staatskasse des Bundeslandes als Begünstigte eingesetzt werden darf, somit eine gewisse Exklusivität zugunsten von Einrichtungen in gemeinnütziger Form gegeben ist. Ein weiterer Vorteil ist eine gewisse „Krisenfestigkeit“. Während Stiftungsvermögen von Zinsen abhängen, Fundraising- und Sponsoringbudgets von Einnahmen der Firmen und öffentliche Haushalte von Steuereinnahmen bleibt die Straftatstatistik konstant.

 

Zielsetzung dieser Arbeit ist die Darstellung des gesamten Bereiches der Geldauflagezuweisungen unter Berücksichtigung der regionalen Unterschiede in Deutschland sowie das Aufzeigen der Möglichkeiten und Grenzen, die durch Bußgeldmarketing, vor allem für Kulturbetriebe, bestehen. Ein weiterer Fokus soll auf den aktuellen Entwicklungen und den damit verbundenen Auswirkungen auf Geldauflagen liegen. These dieser Arbeit ist, dass eine differenzierte Aufgliederung der Bußgeldzuweisungen und eine Aufzählung der unterschiedlichen Voraussetzungen in den Bundesländern entscheidend dazu beitragen kann, gezielt Geldauflagen für gemeinnützigen Einrichtungen zu akquirieren.

 

Zentrale Aufgaben zur Beantwortung der Zielsetzung sind:

 

1. Eine Aufarbeitung des derzeit vorhandenen Forschungsstandes im Bereich des Bußgeldmarketings.

2. Eine Aufgliederung und Analyse des gesamten Bußgeldmarktes im Non-Profit-Bereich. Welche regional bedingten Unterschiede gibt es? Welche Unterschiede ergeben sich in den verschiedenen Non-Profit-Bereichen (Kultur- und Denkmalpflege, humanitäre Hilfe, Tierschutz, Umweltschutz) und wie konkurrieren diese untereinander und mit den Staatskassen der Länder? Immer stärker etabliert sich neben der Staatskasse als Begünstigte der Bereich der justiznahen Einrichtungen als Zuweisungsempfänger (Bewährungshilfe, Resozialisierungshilfe). Wie weit schränkt dieser Bereich die Chancen der übrigen gemeinnützigen Sektoren ein? Lassen sich Parallelen aus dem Spendermarkt und dessen Mechanismen ziehen? Gibt es einen politischen oder andersgearteten Einfluss auf die Vergabe der Bußgelder? Die Informationspolitik über Geldauflagenzuweisungen variiert von Bundesland zu Bundesland.

3. Aus den Ergebnissen soll die Möglichkeit einer Vorauswahl herausgefiltert werden: für welchen Non-Profit-Bereich und für welche Art von Einrichtung lohnen sich Bemühungen im Bereich des Bußgeldmarketings? Und mit welchen Strategien, Konzepten, unter welchem Einsatz von Fundraising- und Marketinginstrumentarien wird eine Geldauflagenakquise gezielt und erfolgreich gesteuert. Ziel der Arbeit ist es, Handlungsempfehlungen im Marketing für gemeinnützige Organisationen herauszuarbeiten.

 

Die Arbeit wird betreut von Prof. Dr. Thomas Knubben.

 

 

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