Kirsten Brenner

Staatstheater Stuttgart

Vom Banker zum Kulturmanager, ist doch mal was anderes... Wobei man allerdings sagen könnte, dass das Vermögen eines Bankers, suchende wie auch nicht suchende Kunden von ihrem (vermeintlichen) Glück zu überzeugen doch wiederum viel mit der notwendigen Gabe eines Kulturmanagers gemein hat.


Wie dem auch sei... Nicht zuletzt meine privaten Interessen trieben mich von der soliden Betriebswirtschaftslehre ins abenteuerliche Etwas, KULTURMANAGEMENT (leider immer noch kein geschützter Begriff). Den Weg hierzu ebnete mir in einem sehr engmaschigen BA-Studium das einzig mögliche Praktikum: bei der damaligen Kulturstiftung der Deutschen Bank in Frankfurt. Später – von Villingen-Schwenningen nach Ludwigsburg – konnte ich innerhalb der vier Semester weitere Erfahrungen sammeln, so im Orchesterbüro des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg sowie bei der Organisation der Elektronischen Nacht der Musikhochschule Stuttgart. Nach dem Studium führte mich die Praxis ans Theater, schlimmer: an die Oper. Dazu noch an ein Haus, das von Land und Stadt getragen wird. Ich erinnerte mich also an die Vorlesung „Organisation“ und lernte zu begreifen, was da sei ein Dienstweg! Schwer lassen sich Merkmale beschreiben, was die Tätigkeit im Büro der Intendanz der Staatsoper Stuttgart ausmacht. Daher in aller Kürze: Es ist die Stelle im Haus, an der alle Fäden zusammenlaufen, die der Dramaturgie und der Disposition, aber auch der Technik und der Verwaltung. Dabei lebt der „Dienst“ für die in der jeweiligen Produktion tätigen Regisseure, Bühnen-, Kostümbildner und Sänger vom Austausch mit völlig unterschiedlichen Individuen. Es ist ein spannendes Konzentrat, ein Knäuel von unterschiedlichsten Fäden, die sich in den vier bis sechs Wochen zur Premiere in ein faszinierendes Ganzes auflösen.


Nun habe ich mir – nach guter Manier – im Zuge dieses Portraits die Frage gestellt, inwieweit die Veranstaltungen des Aufbaustudiums in der Praxis zum Nutzen gelangen. Eine ehrliche Antwort wäre an dieser Stelle wohl fehl am Platz. Anstatt dessen möchte ich lieber meinen Kollegen im Orchesterbüro in Freiburg zitieren: „Egal was kommt, das beste ist, du sagst: ‚Ich kümmer’ mich drum.“


Abschließend – was mich an meinem Arbeitsplatz begeistert: Die Vernetzung von beinahe allen Kanälen des Theaters aber auch die rege Beobachtung der Kulturpolitik an exponierter Stelle (So ist der in Ludwigsburg eher unbeliebte Deutsche Bühnenverein durchaus ein wichtiger Faktor und Initiator der deutschen Kulturlandschaft, wenn es um Fragen und Probleme in der Kulturpolitik geht.); außerdem: Teil einer Organisation zu sein, die in hohem Maße das Kulturleben nicht nur einer Stadt sondern möchte sagen eines Landes mitprägt. Dabei ist es (heute leider schon) von besonderer Art, in einem Haus zu sein, das nicht sein „Produkt“ zugunsten des Publikums verändert sondern, im Gegenteil, das Publikum an sein Verständnis von Musiktheater heranzuführen versucht. Der Gedankenaustausch, der dabei stattfindet, ist nicht allein geglückte Öffentlichkeitsarbeit, es ist die lebendige Fortsetzung einer Vorlesung „Kulturanthropologie“. Und geht es nicht letztlich um das?