Julia Haß

Assistentin des Intendanten, Staatsschauspiel Stuttgart

„Für Kultur muss man brennen…“ war ein Satz, der in unserem Studienjahrgang zum geflügelten Wort wurde. Gebrannt haben wir alle mehr oder weniger – deshalb haben wir diesen Weg eingeschlagen und aus unterschiedlichsten Richtungen kommend das Magister-Aufbaustudium Kulturmanagement in Ludwigsburg an unser vorheriges Studium angehängt. Feuer gefangen habe ich, als ich mit 8 Jahren anfing, Geige zu spielen; später kam die Bratsche hinzu. Seither spiele und singe ich in meiner Freizeit in Orchestern und Chören.

Diese persönliche Freude am Musikmachen zum Beruf zu machen und „Vollzeit-Künstler“ zu sein, war trotzdem nie mein Bestreben. Im Bereich der Organisation eines Kulturprodukts zu arbeiten und so Berufsleben und Hobby dennoch zu verbinden, schon viel mehr. Deshalb studierte ich zunächst Innenverwaltung an der FH für Öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg – zugegebenermaßen recht weit weg vom Musikstudium. Dabei zielte ich insbesondere auf die kommunale Kulturverwaltung als zukünftigen Arbeitsort. Den Kulturmanagement-Studiengang auf demselben Campus bereits eingeplant, versuchte ich, das Verwaltungs-Studium im Rahmen der Möglichkeiten kulturell auszurichten – z. B. mit meiner Diplomarbeit, die die Kundenzufriedenheit an einer kommunalen Musikschule untersuchte, oder mit einem Praktikum in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit beim Staatsschauspiel Stuttgart.

 

Nach dem Staatsexamen schloss sich direkt das erste von vier Semestern am Institut für Kulturmanagement an. Sehr zu meiner Freude konnte ich dabei den Bereich Verwaltung, Recht und Kulturökonomik hinten anstellen; spannender (aus meiner bislang sehr rechts- und verwaltungsgeprägten Sicht) boten sich Themen wie z. B. „Entstehung von Spiel und Theater“ und „Musikmanagement“ an. Überhaupt machte die bunte Mischung aus Praktika, Übungen und Planspielen (Teamlabor!), aus Seminaren, Projekten und Vorlesungen sowie großen und kleinen Exkursionen Spaß. Gewöhnen musste ich mich jedoch zunächst an das Präsentieren und Referieren, dem zu Recht großer Stellenwert beigemessen wurde. Aber auch hier machte Übung den Meister, und Übung hatten wir zur Genüge.

 

Praktika in den Künstlerischen Betriebsbüros der Aurelius Sängerknaben Calw und des Radio- Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR sowie die Recherchen zu meiner Magisterarbeit mit dem Titel „Bessere Integration durch Musik? Untersuchung integrativer Konzepte zur musikalischen Förderung junger Migranten“ ließen mich während dieses Studiums neue Kontakte knüpfen und stellten einen zusätzlichen praktischen Bezug zum ohnehin stark an der „echten“ Kulturwelt orientieren Studiengang her.

 

Die Jobsuche nach dem Examen gestaltete sich einige Monate schwierig. Über eine recht kurzfristige Ausschreibung der Staatsoper, die sich direkt an unser Institut gewandt hatte, stieg ich dann doch knapp drei Monate nach der letzten Prüfung ins Berufsleben ein. Ab Februar 2010 arbeitete ich für sechs Monate an der Staatsoper Stuttgart als Mutterschaftsvertretung der Chorinspizientin. Meine Aufgaben waren hier die eines Künstlerischen Betriebsbüros. Darunter fielen alle den Staatsopernchor betreffenden organisatorischen Aufgaben, wie z. B. die Erfassung von Abwesenheiten durch Krankheit und Urlaub und die daraus folgende Ersatzeinteilung für Proben und Vorstellungen, die Zusammenarbeit mit Maske, Kostümabteilung und dem Regieteam oder das Engagement von Gästen und deren Abrechnung. Innerhalb dieser Zeit ergab sich eine weiterführende Chance bei den Staatstheatern Stuttgart: Im Staatsschauspiel wurde die Stelle des Intendanz- und Dramaturgiebüros frei. Durch mein Praktikum dort – fünf Jahre zuvor – waren mir diese Kollegen bereits bekannt, und umgekehrt kannte man mich auch. Seit September 2010 arbeite ich dort als Assistentin des Intendanten.

 

Bereits vor und auch nach den Entwicklungen mit meiner Folgestelle beim Staatsschauspiel Stuttgart erreichten mich Informationen über frei werdende Stellen aus fortbestehenden Kontakten früherer Praktika, Studienprojekte u. ä., mehrfach sogar noch vor der offiziellen Ausschreibung. Dass Netzwerken zunehmend Bedeutung im Berufsleben (v. a. auch für den Berufseinstieg) zukommt, war während des Studiums oftmals Thema. Es anhand eigener Erfahrung bestätigt zu sehen, zeigte mir, dass sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und zusätzlich in einer Branche, die von vornherein nicht zu den finanziell begünstigsten gehört, darüber Job-Chancen eröffnen können.