Christoph Bader

Leitung Kommunikation des THeaters Biel Solothurn

Herr Bader, Sie sind Kommunikationschef einer großen Kultureinrichtung. Wie organisieren Sie Ihre tägliche Arbeit?


Um in heißen Phasen den Überblick zu bewahren, nutze ich Impulse aus dem Buch "Simplify your life" von Tiki Küstenmacher. Ein Beispiel: Mit 20 Prozent seiner Arbeitszeit macht man 80 Prozent seines Umsatzes. Die restlichen 80 Prozent verbringt man mit was? … das kennt jeder. So lohnt sich immer wieder die Frage: Was sind diese 20 Prozent? Womit verbringe ich die anderen 80 Prozent? Das hilft ungemein beim Setzen von Prioritäten.

Welche Rolle spielen die analogen PR-Techniken – und welche die digitalen?


Im Studium war ich begeistert von den Marketingmöglichkeiten mit Social Media. In Konstanz und in Biel/Solothurn habe ich dagegen die Erfahrung gemacht, dass gegenwärtig immer noch die klassische PR-Arbeit zählt: Mittlerer zeitlicher Aufwand und geringe Kosten führen zu einem kalkulierbaren Return on Investment. Eine gut durchdachte und clever angewandte Online-Strategie sorgt dafür, dass der Betrieb für die Zukunft gut aufgestellt ist. In den nächsten Jahren bleibt das für mich aber der Kürbereich.


Welche drei Dinge gäben Sie – wie die Fee im Märchen – künftigen Kulturmanagern mit?

Eine kleine Märchenstunde:

I. Aschenputtel: Wenn ein Stück nicht funktioniert, werden oft die Fersen abgeschlagen und die Zehen abgequetscht, ehe man in Frage stellt, ob das als Prinzessin ausgelobte Stück tatsächlich eine ist. Es wird Werbung nachgelegt, um die falschen Schwestern zur Prinzessin zu machen. – Entwickelt den Mut, falsche Schwestern fallen zu lassen. Nur das macht den Blick frei, eine wahre Prinzessin für das Publikum zu finden.

II. Hans im Glück: Kommunikation braucht Freiheit wie Hans im Glück. – Hört auf damit, 26 000 Flyer für alle Veranstaltungen zu drucken und zu verteilen. Nehmt das beste Stück, das Ihr habt, und macht so gute Werbung dafür, dass es ausverkauft ist. Ein Gutteil der BesucherInnen wird in Zukunft von allein in den Spielplan schauen – und buchen.

III. Des Kaisers neue Kleider: Im Umfeld von Theatern wimmelt es von Verkäufern, die wissen, was man unbedingt braucht. Wir Marketingleute sind manchmal leicht für Seide zu begeistern, die man nicht mehr auf dem Körper spürt. – Verliert nicht den Mut zu fragen, ob die bunten Fähnchen oder der Mega-Fun-Multimedia-Bereich wirklich der letzte Schrei sind. Oder ob sie eher das Kopfschütteln treuer BesucherInnen einbringen.

Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch

Foto: Ilja Mess

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