Jochen Raithel

Leiter des Kunstzentrums Karlskaserne & Kunstschule Labyrinth in Ludwigsburg

Lieber Herr Raithel, was zeichnet für Sie den Kulturstandort Ludwigsburg aus?

 

Ludwigsburg ist trotz seiner überschaubaren Größe und der Nähe zu Stuttgart lebendig und vielseitig. Die Ludwigsburger Schlossfestspiele und das Residenzschloss mit seinen Museen gehören sicherlich zu den Highlights. Aber auch das Kunstzentrum Karlskaserne als kreatives Ausbildungs- und Produktionszentrum, das städtische Kulturprogramm im Forum am Schlosspark oder die liebevoll geführten Programmkinos sind ausgewiesene Stärken. Kulturpolitisch hat die Stadt mit dem Bau der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg neben der Filmakademie und der Eröffnung des MIK als Dach von Kunstverein, Stadtmuseum und Tourist Information Mut und Weitblick bewiesen. In letzter Zeit beobachte ich allerdings eine gewisse Verwässerung von Profilen. Auch die Diskussion um die so genannte Kulturelle Bildung steht häufig zu stark im Fokus. Die Orientierung an Qualität darf nicht verloren gehen. Spielräume für Projekte, für Experimente sollten erhalten und ausgebaut werden. An manchen Stellen würde ich mir mehr Aufrichtigkeit und Mut zum großen Wurf wünschen. Ich vermisse vor allem beim Stadtmarketing ein Bekenntnis zur Kulturstadt Ludwigsburg. – Dennoch ist Ludwigsburg eine wunderbare Stadt mit vielen Möglichkeiten!

 

Die Karlskaserne beherbergt verschiedene Kultureinrichtungen. Welche Rolle wird Ihnen in diesem Verbund zuteil?

 

Im Wesentlichen geht es um die Organisation von Abläufen, um Belegungen, den Spielplan, um Kommunikation, Vermittlung zwischen den Interessen, um Lobbyarbeit für die ansässigen Kultureinrichtungen. Eine aktuelle Frage ist etwa, wie sich die Karlskaserne als außerschulischer Lernort positioniert. Eine permanente Aufgabe ist die bauliche und finanzielle Weiterentwicklung. Kurzum: Es geht um die Ermöglichung von Kunst und Kultur.

 

      Die Kunstschule Labyrinth, die Jugendmusikschule, die Junge Bühne und weitere Initiativen widmen sich der Kulturellen Bildung. Vor welchen Herausforderungen stehen sie?

 

Alle Einrichtungen fragen sich, wie sie sich angesichts grundlegender Veränderungen an Kindergärten und Schulen in Position bringen bzw. neu erfinden. Mit welchem Konzept und unter welchen Voraussetzungen gehen wir an die Schulen? Wie schaffen wir es, unser Kerngeschäft und unseren Qualitätsanspruch zukunftsfähig zu machen und unsere Einrichtungen auch finanziell aufrecht zu erhalten? Denn (künstlerische) Qualität hat ihren Preis!

 

Die Fragen stellte Dr. des. Yvonne Pröbstle

Foto: privat