Martin Otto-Hörbrand

Leiter des Referats Öffentlichkeitsarbeit am Linden-Museum Stuttgart, Staatliches Museum für Völkerkunde, und Absolvent des Magister-Studiengangs 2000

Welche Herausforderungen warten auf die PR großer Kultureinrichtungen in den nächsten Jahren?


Auch wenn man da als Ludwigsburger Kulturmanager vermutlich Hausverbot bekommt: Große Kultureinrichtungen möchten – auch bedingt durch ihren Auftrag – wenn nicht alle, so doch möglichst viele Menschen erreichen. Fakt ist, dass sich die Öffentlichkeit zunehmend zersplittert, vor allem in punkto Medienverhalten. Über gedruckte Zeitungen, die lange die Leitmedien in der PR waren, erreiche ich Publikum unter 30 oder mit Migrationshintergrund kaum. Folglich muss ich mir neue Kanäle suchen, hier spielen auch Multiplikatoren wie Peer Groups eine immer wichtigere Rolle. Ich denke, dass kein Medium in den nächsten Jahren ein anderes komplett ersetzen wird, und man hier breit aufgestellt sein muss. Ebenso wichtig ist es, die Besucher nach Special Interests aufzuteilen. Wir machen das schon seit Jahren und haben unsere Besucher nach geografischen Interessen (Afrika, Ostasien etc.) oder Formatvorlieben (Aktionsprogramme, Vorträge etc.) segmentiert, so dass wir sie ganz gezielt auf die für sie spannenden Termine ansprechen können.

 

Das Linden-Museum postet und twittert, um junge Besucher zu erreichen. Ist das der Weg in die Zukunft?

Wir schätzen soziale Medien sehr für die Möglichkeiten, die sie bieten: das Museum hinter den Kulissen zu präsentieren, zu zeigen, was die Kollegen hier täglich machen, oder auch mal „live“ von einer Veranstaltung zu twittern. Zentral sind Austausch und Vernetzung, die bei uns über Twitter eine sehr starke internationale Ausprägung haben. Soziale Medien sind damit sicherlich ein Weg unter vielen, um neue Besuchergruppen zu gewinnen – wobei man ganz klar feststellen muss: Nur weil ich bei Facebook, Twitter oder YouTube bin, erreiche ich nicht automatisch junge Leute. Will sagen: Wenn die Inhalte und die Angebote, die ich mache, „alt“ sind, nützt auch das hipste Medium nichts.

 

Welche Rolle spielen narrative Vermittlungsansätze für die PR der Zukunft?

Museen sollten grundsätzlich immer Objekte zum Sprechen bringen und Geschichten erzählen. Geschichten vermitteln auf lebendige Weise Wissen und unterhalten. Was Besucher in der Ausstellung fesselt, funktioniert auch bei Journalisten oder Bloggern, die ihre Leser ja auch nicht mit drögen Fakten füttern möchten. Und das Schöne daran: Gute Geschichten werden immer weiter erzählt.

 

Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch

 

 

Foto: Anatol Dreyer

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Martin Otto-Hörbrand
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