Hannelore Vogt

Dr. Hannelore Vogt Leiterin der Kölner Stadtbibliothek und Kulturmanagerin des Jahres 2015, Absolventin des Magister-Aufbaustudiengangs und Verfasserin einer Dissertation (2003)

Liebe Frau Vogt, Sie sind mit Ihrer Bibliothek Kulturmanagerin des Jahres 2015 geworden. Inwiefern hat die Arbeit in einer Stadtbibliothek etwas mit Management zu tun?

 

Als Direktorin der Stadtbibliothek Köln führe ich einen Betrieb mit über 200 Mitarbeitenden an 14 verschiedenen Standorten und einem Budget von etwa 15 Millionen. Mit 2,2 Millionen Besuchern sind wir die meist frequentierte Kultureinrichtung in Köln. Zu meinen Aufgaben zählen neben den Bereichen Finanzen und Personal vor allem die strategische Planung, die Organisationsentwicklung sowie das Innovations- und Veränderungsmanagement.

 

Der kommerzielle Literaturbetrieb und die Bibliothek – wo gibt es fruchtbare Überschneidungen?  

Wir kooperieren vor allem im Veranstaltungsbereich mit den kommerziellen Anbietern. Literaturvermittlung ist allerdings nur ein Teil unserer Arbeit, für Bibliotheken steht die Vermittlung von Wissen im Vordergrund. Sie sind vor allem Bildungsorte – kulturelle, interkulturelle und digitale Bildung sind wichtige Schwerpunkte, aber auch die Leseförderung nimmt weiterhin einen breiten Raum ein. Es wird auch in Zukunft Bücher (und Bibliotheken) geben, aber die aktive und auf Partizipation beruhende Vermittlung von Wissen wird eine noch größere Rolle einnehmen.

 

Die Bibliothek ist der Ort des literarischen (kulturellen) Erbes einer Sprachkultur. Vor welchen Herausforderungen steht sie in Anbetracht einer zunehmenden Digitalisierung dieses Erbes?

 

Der gleichberechtigte Zugang zu Wissen hat sich weit über das geschriebene Wort hinaus entwickelt. Bildung im 21. Jahrhundert beinhaltet auch die digitale Bildung, denn der Umgang mit neuen Technologien und den sozialen Netzwerken ist einer der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe. Bibliotheken sind schon lange keine Büchersammlungen mehr, sondern lebendige Erlebnisräume. Sie sind nicht ausschließlich Orte der Ruhe und der Entschleunigung, sondern auch Orte der Begegnung und des (gemeinsamen) Lernens. Bibliotheken müssen technologische und gesellschaftliche Trends sehr genau im Blick haben und ihre Angebote daran orientieren.

In Zeiten umfassender digitaler Kommunikation und Vernetzung braucht es aber auch Orte der unmittelbaren Kommunikation von Mensch zu Mensch. Bibliotheken wandeln sich künftig verstärkt zum so genannten „dritten Ort“ neben der Wohnung und der Arbeitsstelle.

 

Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch

 

(Foto: privat)

Kontakt

Dr. Hannelore Vogt

Stadtbibliothek Köln

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