Ellen Heidelberger, StuttgartEllen Heidelberger, Stuttgart

Ellen Heidelberger, Stuttgart

Die Intelligente Kulturorganisation. Wissensmanagement im Theaterbetrieb (Arbeitstitel)

 

Immer wieder fällt im Zusammenhang mit dem deutschen Theatersystem der Begriff „Krise“. Es ist die Rede vom schwerfälligen „Riesen“ oder von der unbelehrbaren „Institution“ Theater (vgl. Schmidt 2017). In der Tat lassen sich in deutschen Theaterbetrieben zahlreiche Problemlagen benennen. Neben der oftmals nicht geklärten Frage der Finanzierung und einer schwindenden Legitimationsgrundlage angesichts sinkender Zuschauerzahlen, werden an den Theatern vor allem unflexible, nicht zukunftsfähige Organisations-, Kommunikations- und Wissensstrukturen kritisiert. So wird eine freie Kommunikation von Informationen in der Organisation oftmals durch strenge hierarchische Strukturen und die spezifische Aufbauorganisation des Theaters behindert und der Erfahrungs- und Wissensaustausch wird durch kurzfristige Personalentscheidungen und individualistische Tendenzen erschwert. Es geht dabei um Fragen der Transparenz und der Kommunikation von Wissen im Theaterbetrieb: zwischen den Aufgabenbereichen Kunst, Verwaltung und Technik, zwischen verschiedenen Hierarchiestufen, zwischen Mitarbeitern und Produktionsteams.

 

Belastbare Betriebsstrukturen, ausgeprägte Kommunikationsstärke und die Weiterentwicklung der organisatorischen Intelligenz – verstanden als Fähigkeit der Organisation zur Bewältigung neuer Anforderungen und Fragestellungen (vgl. Oberschulte 1994) – sind zentrale Kompetenzen eines Theaterbetriebs für den Weg aus dieser Krise. Die Zukunftsfähigkeit eines Theaters hängt maßgeblich davon ab, ob es in der Lage ist, die in der Organisation vorhandenen Informationen zu komplexen Wissensbeständen zu verknüpfen, durch intensive Kommunikation die Nutzbarkeit und Transparenz dieser Wissensbestände sicherzustellen und so flexibel auf äußere und innere Einflüsse reagieren zu können. Der strategische Umgang mit Wissen – also der Umgang mit allen Kenntnissen und Fähigkeiten, die einer Organisation zur Problemlösung zur Verfügung stehen (vgl. Probst/ Raub/ Romhardt 1997) – wird damit zur notwendigen, aber noch entwicklungsbedürftigen Basiskompetenz von Theatern. Wissensmanagement stärkt die innere Struktur und Kommunikation, erhöht die Flexibilität der Organisation im Hinblick auf bestehende Herausforderungen und trägt so zur Zukunftsfähigkeit von Theaterbetrieben bei.

 

Die Dissertation fragt nach der Nutzbarkeit von Wissensmanagement in Kulturorganisationen und möchte am Beispiel des Theaters zeigen, wie durch den strategischen Umgang mit der Ressource Wissen die Zukunftsfähigkeit von Kulturbetrieben gestärkt werden kann. Anhand von zwei Fallanalysen aus dem Segment der kleinen und mittelgroßen, öffentlich getragenen Theater, die insbesondere von der aktuellen Strukturkrise des Theatersystems und damit von einer verminderten Zukunfts- und Belastungsfähigkeit betroffen sind, sollen mit den Methoden Soziale Netzwerkanalyse und Leitfaden-gestützte Interviews Erkenntnisse gewonnen werden: einerseits zum Wissensnetzwerk in den Theaterbetrieben mit den Verbindungen zwischen Organisationsmitgliedern und Teilgruppen, mit Mustern und Leerstellen (Soziale Netzwerkanalyse), andererseits zu den theaterspezifischen Problemlagen, die im Zusammenhang mit Wissen stehen (Leitfadengestützte Interviews).

 

Das Ziel der Forschung ist es, Annahmen darüber zu entwickeln, wie der Umgang mit Informationen und Wissen im Theaterbetrieb funktioniert, welchen Bedingungen und Voraussetzungen ein Management von Wissen im Theater genügen muss und wie Wissensmanagement dazu beitragen kann, die Zukunftsfähigkeit von Theaterbetrieben zu stärken und zu erhalten. Ausgehend von diesen Annahmen soll ein Strukturmodell entwickelt werden, das Einflussfaktoren der Kommunikation von Wissen in Theaterbetrieben aufzeigt und Möglichkeiten benennt, um positiven Einfluss auf die Weitergabe von Wissen und Informationen in der Organisation zu nehmen.

 

Die Dissertation wird von Prof. Dr. Thomas Knubben betreut.

Kurzbiographie und Kontakt

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