Johannes WollaschJohannes Wollasch

Johannes Wollasch

Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände e.V.

Lieber Herr Wollasch, welche Herausforderungen bieten sich in der Position des Geschäftsführers eines großen Vereins?

 

Meine Tätigkeit ist sehr spannend und vielseitig. Aufgrund knapper Ressourcen müssen wir die meisten Aufgaben mit wenigen Hauptamtlichen stemmen, d.h. ich habe in den Großteil aller Tätigkeiten des Verbandes Einblick und vieles geht auch direkt über meinen Schreibtisch. Die vielen verschiedenen Aufgaben- und Tätigkeitsfelder, in die ich als Geschäftsführer eingebunden bin, machen den Job zugleich anspruchsvoll. Es sind fortlaufend Entscheidungen sorgfältig vorzubereiten und zu treffen, Themenfelder zu koordinieren und voranzubringen, man muss jederzeit den Überblick behalten. Darüber hinaus gibt es in einem großen Verein viele Anspruchsgruppen in den ehrenamtlich besetzten Gremien, die berücksichtigt werden möchen und müssen. Auf Bundesebene sind zudem meist weite Wege zurückzulegen, nur bei wenigen Tagungen und Meetings im Jahr besteht persönlicher Kontakt und Austausch.

 

Sie führen auch Personal. Welche Aspekte haben Sie an dieser Tätigkeit am meisten überrascht?

 

Die Geschäftsstelle der BDMV ist mit einem kleinen Team besetzt – wir arbeiten Tür an Tür. Die Kommunikation ist persönlich, es gibt kurze Abstimmungswege und wenig Reibungsverluste. Viel Zeit verbringe ich auch mit der Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Deren Engagement bei der BDMV ist enorm. Es werden ganze Fachgebiete im Ehrenamt bestritten, ohne das vieles nicht möglich wäre. Das verdient höchste Anerkennung. Eine lehrbuchmäßige Personalführung ist hier nicht gegeben. Das ehrenamtliche Engagement erfolgt meist nach der Arbeit, die Wege sind weiter, Rückmeldefristen entsprechend länger, und es können keine Anreize über Vergütung gesetzt werden. „Führen“ findet nur über Motivation statt, was bei vollen Kalendern und Doppelbelastung bisweilen schwierig ist. Die Motivation muss also der Tätigkeit entspringen und die Ehrenamtlichen zu ihrem Engagement neben dem Beruf bewegen.

 

Worauf kommt es an, wenn man Menschen im Kulturbetrieb führt? Würden Sie sagen: Es gibt ein kulturspezifisches Personalmanagement?

 

Spezifisch für den Kulturbetrieb ist, wie gesagt, dass meist mit zu knappen Ressourcen ein personalintensiver Betrieb gesteuert werden muss. Dementsprechend wird ein hohes Engagement gefordert, das aufgrund einer persönlichen Leidenschaft für Kunst und Kultur auch oft aufgebracht wird. Die Arbeitszeiten sind häufig unregelmäßig, fordern von den Angestellten eine hohe zeitliche und kognitive Flexibilität. Nun könnte man sagen: „Das weiß man doch, wenn man in den Kulturbetrieb geht“, und das stimmt, aber das breite Aufgabenfeld und die erwartete Flexibilität können auch zu einer Überforderung und Überbelastung der Arbeitnehmer führen, woraus Selbstzweifel und Motivationsprobleme resultieren können. Daher sollte man deren Tätigkeit ausgewogen gestalten und ihnen die gleiche Flexibilität entgegenbringen, die man von ihnen erwartet. Wichtig sind auch Berührungspunkte mit der Kunst, die im Büroalltag häufig untergeht, und ein gutes Unternehmensklima, das in stressigen Zeiten auffangen und Frust ausgleichen kann.

 

Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch