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Tandemarbeit trotz Corona

30.07.2020

Das Projekt „Shared and/or Contradictory Heritage?“ führt vom 3. bis zum 5. August zwanzig deutsche und israelische Studierende zusammen – Internationalisierung am Bildschirm


Schon fast fünf Monate liegt die universitäre Lehre im Vorlesungssaal brach. Was sich im eigenen Land durch Online-Seminare auffangen lässt, wird für Austauschprogramme zur Herausforderung: Partneruniversitäten sagen Aufenthalte ab, Projekte werden verschoben. Wie sollen unter diesen Bedingungen internationale Kooperationen fortgesetzt werden, die bereits begonnen haben?

 

Diese Frage hat sich auch das Projekt „Shared and/or Contradictory Heritage?
Perspectives on German and Israeli Arts, Museums and Societies“ gestellt, das seit Oktober 2019 vom Institut für Kulturmanagement in Kooperation mit der Kunstfakultät der Partnerhochschule Beit Berl in Kfar Saba, Israel, realisiert wird. Es handelt sich um ein Projekt, das im Rahmen des Baden-Württemberg-STIPENDIUMs für Studierende – BWS plus, einem Programm der Baden-Württemberg Stiftung über zwei Jahre finanziert wird. Kern ist ein studentisches Forschungslabor mit 20 Studierenden, die in Tandems Fallbeispiele aus ihren Ländern zum Kulturerbe erarbeiten. Geteiltes Kulturerbe – darunter verstehen Weltorganisationen wie die UNESCO, Verbünde wie die EU oder Länder wie Deutschland und Israel eine neue Sicht auf kulturelles Erbe, das sich auf ihrem Territorium befindet, und das in anbetracht von Globalisierung und Migration neuer Interpretationen bedarf. Wie wird Kulturerbe, etwa das von Minderheiten, in Migrationsgesellschaften vermittelt? Was ist eine dialogische Erinnerungskultur? An diesen und ähnlichen Fragen arbeiten die Tandems und tauschen sich über Perspektiven ihrer Länder und Disziplinen aus.

 

Der Besuch der Israelis in Ludwigsburg war für die erste Augustwoche vorgesehen – dann kam der universitäre Shutdown. Statt den Austausch zu verschieben, planten die Teilnehmenden am Bildschirm weiter. Von Montag, 3. August bis Mittwoch, 5. August findet ihre Zusammenkunft nun als virtueller Workshop statt; neben Arbeitsphasen sind auch Vorträge von drei Experten zu Feldern des kulturellen Erbes eingeplant.

 

Den Auftakt macht am Montag, 3. August, 14 bis 15 Uhr, Dr. Caroline Jessen, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Transnationale Bibliotheken“ des Forschungsverbundes Marbach-Weimar-Wolfenbüttel (MWW). Sie wird über ihre Arbeit an deutsch-jüdischen Nachlässen und die Idee des geteilten Erbes in Archiven sprechen. Jessen lebte von 2008 bis 2015 in Jerusalem, wo sie unter anderem das Projekt „Traces of German-Jewish History“ für das Deutsche Literaturarchiv Marbach koordinierte. Mit dem Gedanken des geteilten Erbes in Migrationsgesellschaften setzt der Duisburger Germanist, Anglist und Pädagoge Burak Yilmaz in seinem Vortrag am Dienstag, 4. August, 14 bis 15 Uhr, einen weiteren Akzent: Er stellt sein Projekt „Junge Muslime in Auschwitz“ vor, in dessen Rahmen er seit 2012 junge deutsche Muslime nach Au-schwitz begleitet und die gemeinsamen Erfahrungen künstlerisch reflektiert. Sein Ziel ist es, junge Migranten für die Geschichte jenes Landes zu sensibilisieren, in dem sie leben. Für sein Projekt erhielt Yilmaz 2018 das Verdienstkreuz am Bande.

 

Am Mittwoch, 5. August, wird von 14 bis 15 Uhr die universale Perspektive der UNES-CO aufs Kulturerbe anhand des Beispiels Bauhaus thematisiert. Der ehemalige stellvertretende Leiter des Stuttgarter Amts für Stadtplanung und Wohnen sowie Beauftragte der Landeshauptstadt für die Weißenhofsiedlung Friedemann Gschwind berichtet über seine Forschungen über Le Corbusier. Dessen Doppelhaus und Einfamilienhaus in der Weißenhofsiedlung gehören seit 2016 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Alle drei Vorträge entstammen Tandem-Ideen, die von Studierenden im Sommersemester entwickelt wurden, und an denen sie im Wintersemester 2020/21 weiterarbeiten. Am Ende des Projekts 2021 stehen eine Website und eine Publikation – und auch der nachgeholte reale Besuch im jeweiligen Partnerland.

  

Zuhörer sind bei den Impuls-Vorträgen willkommen! Da das Gespräch über eine Online-Plattform stattfindet, werden Interessierte gebeten, sich bis eine Stunde vor Beginn der Gespräche unter daetsch(a)ph-ludwigsburg.de anzumelden, sie erhalten dann den Zugang.

 

Foto: Elfi Carle


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