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Blick hinter die Kulissen des Staatstheaters
02.12.09 14:53
Alter: 2 yrs




Expertengespräch mit Dramaturg und Orchesterleiter



Wenn sich am Abend der Vorhang in den Räumen des Staatstheaters Stuttgart öffnet und die Vorstellung beginnt, blicken einige hundert Besucher erwartungsvoll zur Bühne. Diejenigen, die vor ihnen im Rampenlicht mimen, singen, tanzen oder musizieren, gehören zahlenmäßig zum kleinsten Teil des Theaterbetriebs. Der Großteil der Arbeit spielt sich unter, hinter oder über der Bühne ab. Mehr als 1.100 Mitarbeiter stehen im Dienst des Stuttgarter Dreispartenhauses. Grund genug, einmal hinter die Kulissen des komplexen Theaterbetriebs zu schauen. Zu diesem Zweck waren die Teilnehmer des Seminars „Theatermanagement“ unter Leitung von Professor Dr. Armin Klein mit Christian Holtzhauer, Dramaturg, und Thomas Bäurle, Orchestergeschäftsführer der Oper, verabredet.

Am Morgen führte Christian Holtzhauer die Studierenden durch die engen Personalgänge auf die Hinterbühne des Schauspiels, während die Techniker im vorderen Teil betriebsam die Probebühne für „Die Flucht“ vorbereiteten. Im Konversationszimmer stellte sich der Dramaturg anschließend den Fragen der angehenden Kulturmanager. Dabei wurden Themen der Organisation und des Arbeitsablaufs ebenso behandelt wie Fragen des Sponsoring. Die Besonderheit des Hauses liegt in seiner Führung: Unter einem Dach werden die Sparten Schauspiel, Oper und Ballett durch gleichberechtigte Intendanten geführt. Das so genannte „Stuttgarter Modell“ bewahre solcherart die Autonomie der Künste, so Christian Holtzhauer. Der Dramaturg berichtete zudem von seinem Arbeitsalltag, der nicht selten bis in die Nacht reicht, und von Projekten, die managerialer Fertigkeiten bedürfen. Als Beispiel nannte er den „Orient-Express“. Das ist ein Theaterzug, der zur rollenden Bühne umfunktioniert und von Mai bis Juli dieses Jahres auf die Gleise durch sechs Länder geschickt wurde – von Ankara nach Stuttgart.

Von der Hochschule ins Orchestermanagement

Orchestergeschäftsführer Thomas Bäurle kennt das Kulturmanagement bestens in seiner akademischen Form. Noch vor seiner Anstellung am Staatstheater Stuttgart vor zehn Jahren hatte er den Magister-Aufbaustudiengang am Institut in Ludwigsburg abgeschlossen. Von ihm erfuhren die Studierenden, wie sich die Theorie zur Praxis verhält. Kulturanthropologie und Kulturrecht hätten ihm für den Beruf zum Vorteil gereicht. Besonderes Gewicht legt Bäurle bei seiner Tätigkeit auf soziale Kompetenzen, wie die Empathie mit den Musikern seines Orchesters. Ebenso unterstrich er mehrfach, dass es bei seiner Arbeit wichtig sei, für den Theaterbetrieb „zu brennen“.

Über die prekäre Finanzlage des Kulturbetriebs und die trüben Aussichten im Raum Stuttgart waren sich Holtzhauer und Bäurle einig. Auf die Frage, ob sich das Theater als Arbeitsfeld für Kulturmanager anbiete, antwortete Bäurle schelmisch grinsend, er habe noch niemanden im Haus gehört, der gerufen hätte: „Holt mir einen Kulturmanager her.“ Das Bedürfnis zur Optimierung bestehe aber, und damit gleichsam der Raum für den Einsatz von Kulturmanagern.

Zum Abschluss führte Bäurle die Studierenden durch die Räume der Oper. „Kunst entsteht im Haus“, lautet eine Prämisse in Stuttgart. Dies gilt für die Musik ebenso wie für die Kulissen und die Kleider. Das wurde beim Gang durch die Werkstätten deutlich: Über den Malersaal ging es entlang der Schneiderei zur Probebühne und hinauf auf die Opernbühne. In den Kulissen von „Onegin“ durften die künftigen Kulturmanager dann endlich die Original-Bühnenluft schnuppern.

Thomas Meurer








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