Intendant erklärt Renovierung der Ludwigsburger Schlossfestspiele
Mit Verve präsentierte Thomas Wördehoff sein Programm der diesjährigen Ludwigsburger Schlossfestspiele (LSF) vor Studierenden des Kulturmanagement. Zum ersten Mal verantwortet Wördehoff gemeinsam mit seinem Stellvertreter Uwe Schmitz-Gielsdorf das traditionsreiche Klassikfestival.
Den Intendantenwechsel 2010 hat sich Masterstudent Hansjörg Neumann zum Thema seiner Abschlussarbeit gemacht: „Innovation durch Intendantenwechsel? - Die Wahrnehmung der inhaltlichen Neuausrichtung bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen durch das Publikum“. Im kommenden Herbst soll die Masterarbeit abgeschlossen sein. Der Student hat den Besuch des neuen Intendanten im Institut für Kulturmanagement initiiert und seinen Kommilitonen damit einen direkten Einblick in die Neuausrichtung des Klassikfestivals ermöglicht.
Thomas Wördehoff möchte den Festspielen nicht nur eine Kontur geben, die sie über die regionalen Grenzen hinaus bekannt machen, sondern ihnen eine Identität verleihen. Er selbst nennt es „eine innere Haltung“. Danach habe er zusammen mit Schmitz-Gielsdorf rund zwei Jahre gesucht. „Wir wollten das Festival umgestalten, und so erfinden wir uns neu.“ Am Ende dieser Metamorphose steht ein Programm, das nur noch geringfügig an die Zeit vor dem Intendantenwechsel erinnert.
Erstmals in der Festivalgeschichte wird eine persönliche Rede den Auftakt zum traditionellen Saisoneröffnungskonzert bilden. Der blinde slowenische Fotograf Evgen Bavčar liest aus seinen „Nachrichten aus der Kindheit“. Nicht minder spannend: Mozarts „Requiem d-Moll“ wird in seiner unvollendeten Urform gespielt und anschließend in einer Uraufführung des südafrikanischen Komponisten Richard van Schoor fortklingen. Progressiv mutet das Projekt „Marc Ribot & Friends“ an. Der amerikanische Gitarrist interpretiert zusammen mit einer fünfköpfigen Band (darunter ein DJ) die Klänge von John Cage mit dem Zeit- und Rhythmusgespür schwarzer Funk-Musiker.
Was Wördehoff damit vor und auf der Bühne erreichen will? „Die Besucher sollen die Möglichkeit bekommen, etwas Neues zu erleben. Und die Künstler sollen interpretieren. Sie sollen dabei frei sein und keine Angstkultur vertreten.“ Trotz oder gerade wegen dieser Aufbruchstimmung beobachtet der neue Intendant eine vorsichtige Zurückhaltung beim traditionsbewussten Publikum. Dennoch zeigt er sich betont optimistisch.
Nach Ablauf der Spielzeit wird es ein erneutes Treffen der Studierenden mit Thomas Wördehoff geben. Dann stehen die konkreten Auswirkungen des Intendantenwechsels in messbaren Größen im Zentrum des Interesses.
Thomas Meurer (Text), Reiner Pfisterer (Foto)